Kleinbürger par excellence

Von Trutz Schadt, per E-Mail
|    Ausgabe vom 5. Januar 2018

Unsere Partei als eine der Tradition der Aufklärung verpflichtete ideologische Kraft tut gut daran, sich in fundamental kritische Distanz zu Jebsen zu begeben, statt sich ihm, wie D. Dehm und W. Gehrke es tun, anzubiedern. Solch eine Distanzierung kommt nicht umhin, Jebsen als Schichtphänomen zu betrachten. Nur so erklärt sich sein Einfluss auf eine zahlenmäßig nicht unbedeutende Anhängerschaft. Jebsen ist der Kleinbürger par excellence, als solcher gehört er zu einer Schicht, die zwischen zwei geschichtsmächtigen Klassen steht und die darum stets erfinderisch war, solch Minderstellung eines Weder-Noch mit verschiedenen ideologischen Tricks zu kompensieren. Dazu gehört die These, das Erkärungsmodell der Wirklichkeit sei jenseits von Rechts und Links zu suchen. In dieser querfröntlerischen Konfusion – das Wort in seinem ursprünglichen wie auch landläufigen Sinn verstanden – können sich Verschwörungstheorien, so jetzt auch wieder der „Antikapitalismus der dummen Kerle“, der Antisemitismus, breit machen. Als spezielles kleinbürgerliches Ideologem ist in diesem Zusammenhang die Zinstheorie von S. Gesell zu nennen. Letztlich läuft diese Strömung darauf hinaus, das innergesellschaftliche Oben und Unten durch die Inszenierung von Volk im völkischen Sinne aufzuheben, eine ideologische Version, der sich das Kapital trotz globaler Vernetzung im Falle der drohenden extremen Krise möglicherweise bedienen wird.


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