Warum antimonopolistisch?

Von Herbert Münchow, Leipzig
|    Ausgabe vom 15. Dezember 2017

Bei soviel Verwunderung hat man ja direkt Hemmungen, sich auch noch zu wundern. Ich wundere mich nämlich schon die ganze Zeit darüber, weshalb unsere Strategie unbedingt mit dem Begriff „antimonopolistisch“ versehen werden muss. Bei Lenin, auf den schließlich unsere Imperialismusanalyse zurückgeht, die den Kern unserer Faschismus­analyse bildet, finden wir das so nicht. Wir finden bei ihm aber, dass er selten wenn überhaupt von der Strategie (eher von Programm und Theorie) spricht, dafür um so mehr von der Taktik. Er widmet den Grundsätzen der Taktik des proletarischen Klassenkampfes sogar einen recht umfassenden Abschnitt in seiner Arbeit „Karl Marx“. Und er spricht von zwei Taktiken in der demokratischen Revolution, nicht von zwei Strategien.
Es wundert mich auch, dass der antikapitalistische Kampf in Zeiten des Monopolkapitalismus schlechthin der antimonopolistische Kampf sein soll. In der Auseinandersetzung mit Bucharin zum Parteiprogramm von 1919 weist Lenin ausdrücklich darauf hin, dass der Imperialismus den alten Kapitalismus eben nicht vollständig umgestaltet, dass es den reinen Imperialismus nicht gibt, dass er ein Überbau über dem alten Kapitalismus ist, dass sich deshalb das Thema Antikapitalismus gerade nicht mit dem Thema Antimonopolismus erledigt hat. Anders gesagt, das Thema Diktatur des Proletariats ist letztlich nicht zu umgehen, somit eben die Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus, wenn der revolutionäre Bruch ernst gemeint ist. Nun stimmt natürlich das Grundlegende, das wir zum Kampf gegen Großkapital und kapitalistische Monopole sagen, auch zu den Bündnissen. Und würden wir das weiterhin tun, ohne daraus auf Biegen und Brechen den Begriff „antimonopolistische Strategie“ zu machen, dann wären möglicherweise die Mitgliederverluste der DKP geringer und die Partei drohte nicht auseinanderzubrechen.


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