Wolf Biermann

|    Ausgabe vom 17. November 2017

Aus den Feuchtgebieten der Republik erklang vielstimmig der Chor der beflissenen Mietmäuler, die zum Jahrestag der Oktoberrevolution ihre kenntnisfreien Pflichtverdammungen ablieferten. Da durfte aus seiner Sicht einer nicht fehlen: Wolf Biermann, den keiner mehr so recht auf dem Zettel hat.  Folgerichtig überschrieb das ZDF den Biermannschen Sprechdurchfall als „Zwischenruf“. Was bedeutet: Man hatte ihn nicht einmal mehr darum gebeten. Die Zeiten, zu denen er sich noch als antikommunistischer Show-Act bei CSU-Parteitagen und im Bundestag andienen konnte sind vorbei wenn er auf dem Staatssender nur noch ein Geschwurbel fertigbringt wie, „Wir müssen es lernen, ohne Terror die Welt nicht zu retten – solche Leute sind gefährlich - sondern  wir müssen sie verbessern“. Das ist nicht einmal mehr baumarkteröffnungstauglich und kommt aus einem Kopf, der nur noch taugt zu verhindern, dass es in den Hals regnet. Die Zeit holt Biermann ein, der sein Geschäftsmodell 1972 noch so beschrieb: „Man steigt im Westen hoch im Kurs / Wenn man im Osten absackt“. „Den Osten“, die DDR, gibt’s nicht mehr, und und gegen die nachgewachsene Konkurrenz kommt er nicht mehr an.


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