Zwei-Parteien-System

Fußballreise um die Welt: Schottland
Von Hannes Schinder
|    Ausgabe vom 20. Oktober 2017
Die Celtic-Fans feiern ihre Helden. (Foto: [url=https://www.flickr.com/photos/celticphotos/6064463687]Brian Hargadon[/url])
Die Celtic-Fans feiern ihre Helden. (Foto: Brian Hargadon / Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Dieses Mal geht es in eines der Mutterländer des modernen Verbandsfußballs. Neben England, Wales und Nordirland wurden in Schottland die ersten Vereine und auch einer der ersten Verbände gegründet.
Bereits 1873 gründete sich die „Scottish Football Association“ (SFA) und 1867 mit dem Queens Park F. C. der erste Verein außerhalb Englands. Die SFA ist für die Austragung des Scottish Cup und die Nationalmannschaft verantwortlich. Auch wenn der Fußball in Schottland eine lange Tradition hat und als der beliebteste Sport gilt, gab es kaum internationale Erfolge. Die Wenigen, die es gab, liegen lange zurück. Im 21. Jahrhundert konnte Schottland sich noch für kein internationales Turnier qualifizieren. Dennoch sind die Schotten stolz auf ihren Fußball, welcher sehr kampfbetont ist. Davon leitet sich auch der Spitzname der Nationalmannschaft ab, die „Bravehearts“. Trotz ausbleibender Erfolge geben die Schotten nicht auf und stehen nach Rückschlägen wieder auf und nehmen einen neuen Anlauf.
Für die Nationalmannschaft stehen bisher acht WM- und zwei EM-Teilnahmen zu Buche. Wobei die letzte WM-Teilnahme 1998 und die letzte EM-Teilnahme 1996 war. Als erste Nationalmannschaft überhaupt schied man 1974 ungeschlagen in der Vorrunde aus, bisher wurde die Vorrunde bei noch keiner Turnierteilnahme überstanden. Aber eine Besonderheit bietet der schottische Fußball im Vergleich mit anderen Nationen: Die Nationalmannschaft wurde mit einer Ausnahme ausschließlich von Schotten trainiert. Und diese Ausnahme, Berti Vogts, konnte sich auch nur von 2002 bis 2004 im Amt halten.
Die Qualifikation zur WM 2018 scheiterte im letzten Spiel gegen Slowenien. Dabei hätte ein Sieg gelangt, Schottland kam jedoch nicht über ein 2:2 hinaus, wodurch die Slowakei noch an Schottland in der Tabelle vorbeizog. Daran konnte auch der wohl aktuell bekannteste Spieler der Schotten, Darren Fletcher, nichts ändern. Fletcher gilt neben Alex Ferguson als eine der größten Persönlichkeiten des schottischen Fußballs. Er spielte 14 Jahre unter Trainer Alex Ferguson bei Manchester United.
Für internationale Vereinserfolge muss man noch weiter in die Vergangenheit gehen: 1983 gewann Aberdeen United den Europapokal der Pokalsieger (heute Europa-League) unter dem Trainer Alex Ferguson. Den gleichen Pokal gewannen 1972 die Glasgow Rangers. Den größten Erfolg feierte allerdings Celtic Glasgow 1967 mit dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister (heute Champions-League). Die beiden letztgenannten Vereine dominierten über 100 Jahre den schottischen Fußball. Dabei feierten die Rangers 54 und die Celtics 48 Meisterschaften. Diese Zweier-Dominanz endete 2012 durch die Insolvenz der Rangers, die zur Saison 2012/13 einen Neustart in der vierten Liga machen mussten. Es gingen jedoch viele Stars mit in die untere Liga und zum ersten Saisonspiel stellte man einen Zuschauerrekord von über 49 000 auf. Von diesen Zahlen träumt selbst so manch ein Erstligist in anderen Städten oder Ländern. In der Saison 2015/16 gelang die Rückkehr in die oberste Spielklasse, die Scottish Premiership.
In dieser treten zwölf Mannschaften gegeneinander an und spielen die Meisterschaft aus. Nach dem Zwangsabstieg der Rangers wurde diese ausschließlich von den Celtics dominiert, die seit 2012 jeden Meistertitel gewonnen haben.
Durch die Rückkehr der Rangers in die erste Liga fand auch erstmals wieder das Glasgower Stadtderby statt, welches Celtic gewann. Das Derby ist eines der am stärksten umkämpften der Welt und wird als „Old Firm“ bezeichnet. Bisher spielten die zwei Vereine 405 mal gegeneinander, dabei gewannen die Rangers 159 mal und die Celtics 148 mal. Das Spiel ist auch deshalb so hart umkämpft, da unterschiedliche Identitäten, Glaubensrichtungen und auch Schichten aufeinandertreffen. Die Rangers sind der Verein der Protestanten und der Oberschicht, während Celtic von irisch-katholischen Einwanderern gegründet wurde und eher in der Arbeiterschicht seine Anhänger hat.
Jahrelang weigerten sich die Rangers, katholische Spieler in die Mannschaft aufzunehmen. Das heizte den Konflikt zusätzlich auf. Die unterschiedlichen Ausrichtungen der Vereine lassen sich auch an den Vereinsfarben erkennen. Während die Rangers in den Farben des Union Jack spielen, spielen die Celtics in Grün und Weiß und haben ein Kleeblatt im Wappen – Symbol der irischen Herkunft.
Das Derby ist die größte Faszination der schottischen Liga. Beide Vereine versuchten in der Vergangenheit mehrfach, sich dem englischen Ligasystem anzuschließen, da dort die Einnahmemöglichkeiten wesentlich größer sind. Der schottische Verband verweigert dies aber, da dadurch die eigene Liga enorm geschwächt würde.
Wegen des Hasses, mit dem beide Vereine sich gegenübertreten, verbot das schottische Parlament 2011 das Singen von beleidigenden Liedern im Stadion. Dadurch erhoffte man sich dem Hass und der Gewalt entgegenzuwirken.
Das „Old Firm“ steht auch für zwei der größten Katastrophen des schottischen Fußballs. 1931 starb ein Stürmer der Rangers, Sam English, nach einem Zusammenprall mit dem Torhüter der Celtics an einem Schädelbasisbruch. 1971 starben bei der Ibrox-Katastrophe 66 Menschen während einer Massenpanik. Danach wurden die Stadien – wie überall in Großbritannien – umgebaut, um eine höhere Sicherheit zu gewährleisten. Die Frage bleibt, inwiefern ein Verbot von Liedern der Gewalt entgegenwirken soll.
Offen ist auch, ob durch die Rückkehr der Rangers ins Oberhaus die alte Dominanz der zwei Vereine wiederhergestellt wird. Während der Abwesenheit der Rangers verpassten es andere Vereine, die Lücke zu den Celtics zu schließen und damit die Liga spannender zu gestalten. Die Rangers konnten in der Saison 2016/17 – direkt nach dem Aufstieg – den dritten Platz belegen.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Zwei-Parteien-System«, UZ vom 20. Oktober 2017





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.