Kieler Förde

Revolutionäre Matrosen und der Krieg heute
Von Florian Hainrich
|    Ausgabe vom 29. September 2017

Zehn Schiffe sammeln sich auf der Kieler Förde, mit dabei auch Traditionssegler. Am Kai stehen 70 Menschen und besteigen die Schiffe, fast könnte man meinen, ein Wassersport­event oder eine der Hafenrundfahrten stehe an. Nur die Roten Fahnen an den Booten, die Transparente und die Ansprachen am Kai machen deutlich, hier geht’s um was anderes. Heute erinnert der „Arbeitskreis Novemberrevolution“, unterstützt unter anderem vom DGB Kiel Region als auch von der DKP Kiel und weiteren Organisationen, an die Hinrichtung von Max Reichpietsch und Albin Köbis.
Sie waren als Rädelsführer der Revolution am 5 September 1917 hingerichtet worden. Sie und ihre Kameraden hatten Nein zum Krieg gesagt und hatten damit den Prozess ins Rollen gebracht, der diesen Krieg beendete und die Monarchie stürzte. Alleine schon wegen dieser Verdienste ist es sinnvoll, an die beiden zu erinnern, leider gibt es darüber hinaus aber noch weitere Anlässe.
Auf dem Weg über die Kieler Förde sehen wir einige dieser Anlässe.Die beiden Rüstungswerften Thyssen Krupp Marine System oder German Navel Yards, die wieder für den weltweiten Krieg produzieren, den Ostuferhafen, über den Kriegsgerät bis an die russische Grenze verschifft wird oder den Scheer-Hafen, benannt nach Admiral Scheer, der Albin Köbis und Max Reichpietsch hinrichten ließ.
Aus diesen und weiteren Gründen will die Friedensfahrt auf der Kieler Förde nicht nur erinnern, sie will auch zeigen, heute geht von Kiel wieder Krieg aus. Wie wir diesen Krieg stoppen können und was wir dabei von der Novemberrevolution lernen können, darum drehten sich einige Vorträge, die zu Beginn und Ende der Fahrt am Kai gehalten wurden.
Als DKP Kiel beteiligten wir uns mit zwei Vorträgen einerseits zur Kieler Protestbewegung in der Arbeiterschaft 1917, anderseits mit einem Vortrag zum Einfluss der Oktoberevolution auf die Novemberrevolution in Deutschland. Mit der Erinnerung an die Novemberrevolution können wir zeigen, es war und es ist möglich, dem deutschen Imperialismus in den Arm zu fallen, seine Kriege zu stoppen und seine Herrschaft in Frage zu stellen. Wichtig ist dabei auch, auf die Errungenschaften dieser Revolution zu verweisen, dementsprechend tauchten am Morgen bereits einige Transparente in der Kieler Innenstadt auf, die z. B. auf das erreichte Frauenwahlrecht, den 8 Stundentag und Weiteres verwiesen.


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