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Merkel zeigt auf Dinge

… die exportiert werden
Von lmö
|    Ausgabe vom 22. September 2017
Merkel zeigt Elektromobilität (Foto: [url=https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angela_Merkel_showing_Electromobility.JPG]Rudolf Simon/wikimedia[/url])
Merkel zeigt Elektromobilität (Foto: Rudolf Simon/wikimedia / Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Die ewige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump als „Freiheitsstatue der westlichen Welt“ oder auch als „Führerin der freien Welt“ bezeichnet. Sie selbst lehnt solche Verantwortung ab. Sie hat schon genug damit zu tun, als „Kämpferin für den Freihandel“, also als Vertreterin und Gesicht der deutschen Exportwalze Kapitalinteressen zu vertreten. Das tut sie ganz klassisch, indem sie nicht versucht, allen deutschen Monopolen gerecht zu werden. Es stimmt nicht, dass Merkel nur im Interesse der Banken und Versicherungen sowie der Autokonzerne handelt, sie setzt sich aufopferungsvoll auch für die Energiemafia, die Pharmaindustrie, Rüstungskonzerne und Immobilienspekulanten ein.
Sie macht das so gut, dass sie ihre bisherigen Koalitionspartner FDP und SPD klein gekriegt hat. Sie ist sogar so gut, dass sie in einer Phase, in der massenhaft neue Jobs Armut bei Vollzeit garantieren, die Partei „Die Linke“ klein halten konnte.
Lassen wir uns von Gemüse-werfenden Enttäuschten auf den Wahlkampfveranstaltungen der CDU nicht täuschen: Merkel ist ein willkommener Gast, egal ob auf der Computerspielemesse Gamescom, beim Ortsverein Grevenbroich oder beim Besuch einer Gummibärchenfabrik an der Seite von Thomas Gottschalk. Alle freuen sich, wenn die Merkel ihr tristes Dasein aufwertet, das trifft auf picklige Nachwuchspolitiker der „Jungen Union“ ebenso zu wie für die arbeitslose Sophia Thomalla oder das ehemalige Pop-Sternchen Lena-Meyer-Landrut. Für nicht wenige ist es der Höhepunkt ihres bisherigen Daseins, ein Selfie mit Merkel zu ergattern. Provinzpolitiker der Union motzen mit einem solchen Foto alle ihre zukünftigen Wahlkampfmaterialien auf und sie tun recht daran.
Deshalb gehörte zu den schlimmeren Nachrichten im Wahlkampf: Die Kanzlerin kommt nicht zu euch – ihr seid nicht wichtig genug. Horden von Funktionären der Jungen Union sitzen weinend vor ihrem Facebook-Account ob der verpassten Chance auf einen Karriereschub. Merkel ist so beliebt, sie kann es sich sogar leisten, sich kurz vor der Wahl bei der Automobilmesse IAA blicken zu lassen.
Diese Fotoseite ist allen gewidmet, die im Wahlkampf nicht in den Genuss gekommen sind, von der Kanzlerin heimgesucht zu werden. Angela Merkel wird nun wieder für vier Jahre im Kapitalauftrag unterwegs sein und deshalb leider nur wenig Zeit für Selfies haben.


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Leserbrief zu Artikel »Merkel zeigt auf Dinge«, UZ vom 22. September 2017





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