Auf den Spuren Ernst Blochs

Von Gerd-Rolf Rosenberger, DKP Bremen-Nord
|    Ausgabe vom 25. August 2017

Die DKP Bremen-Nord hatte zu einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung ins Gustav-Heinemann Bürgerhaus eingeladen: Thema war der 40. Todestag des marxistischen Philosophen Ernst Bloch, den ein Diskussionsteilnehmer, ein ständiger Kirchentagsbesucher, als „Dichterphilosophen“ bezeichnete. Zu der Veranstaltung mit Hans-Peter Brenner kamen Genossen der KP Türkei, der derzeitige und der ehemalige Ortvereinsvorsitzende der SPD Bremen-Vegesack, Gewerkschaftsfunktionäre, Mitglieder der Linkspartei, des Friedensforums Bremen und der Initiative Nordbremer Bürger gegen Krieg, ein Pastor und natürlich die GenossInnen der DKP Bremen Nord.
Brenner, verantwortlich für die Bildungsarbeit der DKP, trug umfassend zu Blochs Leben und Werk vor. Dessen Hauptwerk ist „Das Prinzip Hoffnung“, es erschien in den Jahren 1954 bis 1959 in der DDR. In diesem Buch entfaltet der große Philosoph ein umfangreiches Gedankengebäude der konkreten Utopie. Bloch sah sich als naturdialektisch begründender Denker des Unabgeschlossenen, als Visionär der Hoffnung aus Prinzip. Bloch sei zu 80 bis 90 Prozent Marxist, meinte Brenner. Den Punktabzug begründet er mit der Überzeugung von der Richtigkeit der Lehre des wissenschaftlichen Sozialismus. Bloch hatte das zu Lebzeiten nicht absolut gelten lassen. „Die weltanschauliche Kraft der Blochschen Philosophie liegt in der Vereinigung einer progressiv-utopischen Perspektive mit der Aneignung des gesamten kulturellen Erbes. Ihre Schwäche besteht in der idealistischen Vernachlässigung der materiellen, politisch-ökonomischen Vermittlungsschritte auf dem Wege zum Kommunismus, zur klassenlosen Gesellschaft, im Mangel an konkret-historischen Analysen, besonders auch in der Gegenwart“, schrieb der vor sechs Jahren verstorbene Philosoph Hans-Heinz Holz würdigend über seinen Doktorvater.
Brenner entpuppte sich als guter Kenner Blochs, der uns ans Herz gelegt hat, intensiv das Kommunistische Manifest zu studieren. Vom „18. Brumaire“ über das in diesem Jahr vor 170 Jahren geschriebene (Dezember 1847 bis Februar 1848) Manifest der Kommunistischen Partei durch Karl Marx und Friedrich Engels mit der Betonung auf den gewaltsamen Sturz aller bisherigen gesellschaftlichen Herrschaft lässt sich eine ununterbrochene Linie erkennen.
Nach dem Referat beteiligten sich zahlreiche Gäste an der Diskussion, unter anderem zu den Themen Venezuela, Aktionen der globalen Solidarität gegen den G-20-Gipfel in Hamburg. Pastor Hausmann warf theologisch-philosophische Fragen auf. Ein Sozialdemokrat lobte die Qualität unserer öffentlichen Bildungsveranstaltungen und meinte, Genossinnen und Genossen seiner Partei wüssten gar nicht, wer Ernst Bloch sei. Fazit eines weiteren Teilnehmers: „Die Hoffnung stirbt erst mit uns, nicht vorher!“


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