Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 23. Juni 2017

Schaufenster
Als Ideenschmiede und Zukunftswerkstatt hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn gewürdigt. Das Haus hat am Wochenende sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Ihrem selbst formulierten Anspruch, vielfältig und interdisziplinär zu arbeiten, auf gesellschaftliche Veränderungen einzugehen und alle Menschen an kulturellen Angeboten teilhaben zu lassen, wird das Museum selten gerecht. Ein Blick in das aktuelle Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm macht deutlich, möglichst beliebig und nur nicht zu kritisch zu sein. Das Museum, vom Bund und allen Bundesländern getragen, erhält jährlich rund 26 Millionen Euro aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin für Schnickschnack.

Leitsätze
An einer Richtlinie im Pressekodex zum Schutz vor Diskriminierung hat der Deutsche Presserat lange gearbeitet, eine erste Entscheidungshilfe war als wenig praxistauglich und nicht konkret genug kritisiert worden. Nun heißt es „Vermutungen über den Zusammenhang von Gruppenzugehörigkeit und Taten müssen von Tatsachen gestützt sein, Spekulationen, Gerüchte oder bloßes Hörensagen dürfen nicht Grundlage einer Berichterstattung sein. Das öffentliche Interesse an Angaben zur Herkunft oder zu einer Gruppe sei nur dann gegeben, wenn eine besonders schwere oder außergewöhnliche Straftat vorliege. Damit ist nichts konkreter geworden, die Beurteilung, ob und wenn ja wie solche Zusammenhänge darzustellen seien, bleibt den Redaktionen, den Wunsch nach Quote oder Exklusivität primär zu sehen, vorbehalten. Der Presserat, eine Organisation der großen Verleger- und Journalistenverbände, hätte, wenn er denn seine Richtlinie wirksam durchsetzen möchte, reichliche Rügen zu erteilen und auf ihre Veröffentlichung im betreffenden Medium zu drängen.

Wunsch und Wirklichkeit
86 Prozent der Menschen in Deutschland befürworten Gesetze gegen gezielte Falschnachrichten. Nur acht Prozent vertraten die Ansicht, Fake News gehörten zur Meinungsfreiheit. Eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent hält gezielte Falschnachrichten für demokratiegefährdend. Wie immer bei solchen Umfragen: Man ist auf der Seite der Guten, nie käme man selbst auf die Idee, eine solche Fake News zu produzieren oder weiterzuleiten, so was tun immer die Anderen. Wie diese dann solche irrwitzigen Mengen tagtäglich dann produzieren können und wie die hunderttausendfachen „Likes“ oder weitere Kommentare dazu kommen, bleibt ein Rätsel.


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 23. Juni 2017





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