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Die Brücke

Von GS
|    Ausgabe vom 16. Juni 2017
Eines der Kinderbilder zur Erinnerung an das Kriegsverbrechen (Foto: Gabriele Senft (Mai 2017))
Eines der Kinderbilder zur Erinnerung an das Kriegsverbrechen (Foto: Gabriele Senft (Mai 2017))

Buchtipp:
Gabriele Senft
Target. Die Brücke von Varvarin
Dokumentation eines NATO-Kriegsverbrechens und seiner Folgen.
Text-Bildband, 224 Seiten, 144 Fotos,
Verlag Wiljo Heinen, 16,80 Euro

Vom 24. März bis zum 10. Juni 1999 dauerte der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Dabei flog die NATO 38 004 Angriffsflüge, tötete über 1 500 Menschen und verletzte mehr als doppelt so viele schwer.
Es war der erste Angriffskrieg unter der Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg: Ohne UN-Mandat und außerhalb des Verteidigungsfalls griffen die 19 NATO-Staaten einen souveränen Staat an.
Am 30. Mai, dem Pfingstsonntag, flogen Kampfflugzeuge der NATO bei sommerlich klarem Wetter kurz nach 13 Uhr einen Angriff auf die Brücke über die Morava in Varvarin, bei dem zehn Zivilisten den Tod fanden und mehr als 30 schwer verletzt wurden. Die Brücke war für schwere Militärfahrzeuge nicht geeignet und militärisch unbedeutend in dem damals schon seit zwei Monaten andauernden Angriffskrieg. Sie war jedoch ein gut ausgewähltes Ziel, um Angst und Schrecken zu verbreiten unter den Einwohnern der Stadt und den sich dort aufhaltenden Menschen, die aus den Dörfern zum Sonntagsmarkt gekommen waren und deren Heimweg nun über diese Brücke führte.
Auch drei Schulmädchen wollten über die Moravabrücke nach Hause, als diese bombardiert wurde. Marijana, Sanja und Marina waren miteinander aufgewachsen und unzertrennlich, alle drei wurden schwer verletzt, Sanja Milenkovic tödlich. Vor der Schule in Varvarin blickt das Mädchen in Bronze ernst auf Schulfreundinnen von heute. Sicher würde Sara, Marijanas Tochter, liebevoll Tante zu Sanja sagen, vor deren Porträtbüste sie ihre beiden besten Freundinnen für ein Foto umarmt.
Gegen dieses Kriegsverbrechen versuchten Angehörige der Getöteten und weitere NATO-Kriegsopfer die verantwortliche Regierung der BRD auf Schadenersatz zu verklagen und führten zehn Jahre lang einen langwierigen, letztlich erfolglosen Prozess durch alle Instanzen. Ein Erfolg hätte das Führen von Angriffskriegen schwerer gemacht.
Eine neue Brücke hat die Ufer noch im selben Jahr verbunden und wurde neben einem Mahnmal zum einem Ort des Gedenkens an die Opfer dieser Bombardierung. In jedem Jahr, eben zur Mittagszeit wie damals, kommen Angehörige, Vertreter der Regierung und alle, die dieses Geschehen als Mahnung im Bewusstsein der Menschen bewahren möchten.
Es gibt aber auch andere Aktivitäten des Gedenkens. Der Direktor und Grafiker des Hauses der Kultur in Varvarin, Goran Celicanin, erzählte, dass schon zum zweiten Mal an sechs Schulen der Region einen Zeichenwettbewerb zum Thema „Brücken”, auch im übertragenen Sinn als Brücken der Verständigung und der Liebe zueinander, durchgeführt wurde. Am Vorabend des Jahrestages wurden die Preisträger in den einzelnen Klassenstufen geehrt.

Buchtipp:
Gabriele Senft
Target. Die Brücke von Varvarin
Dokumentation eines NATO-Kriegsverbrechens und seiner Folgen.
Text-Bildband, 224 Seiten, 144 Fotos,
Verlag Wiljo Heinen, 16,80 Euro


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Leserbrief zu »Die Brücke«, UZ vom 16. Juni 2017





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