Filme über das Wirken der Konzerne in Argentinien

Werkschau Gaby Weber im Berliner Lichtblick-Kino
|    Ausgabe vom 9. Juni 2017

Gaby Weber arbeitet seit fast vierzig Jahren als Journalistin, seit 30 Jahren als Auslandskorrespondentin für deutschsprachige Medien aus Uruguay und Argentinien. Im Lichtblick-Kino ist nun eine kleine Werkschau ihrer Filme zu sehen. Die Regisseurin ist bei allen Vorführungen anwesend. Zwei der Filme stellen wir hier vor:

Tödliche Agri-Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet
D/Arg 2017, 75min, Regie: Gaby Weber
In Argentinien sind 20 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Das Land wird mit Herbiziden, Insektiziden, Fungiziden und künstlichem Dünger überflutet. Argentinien hält den weltweiten Rekord, was den Verbrauch an Glyphosat angeht. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto.
Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten. Heute ist die Krebsrate in den Soja-Anbaugebieten zwei- bis dreimal höher als in der Stadt. Riesige Landesteile sind überschwemmt, weil der Boden die Niederschläge nicht mehr aufnehmen kann. Und was die Lebensmittelindustrie von diesen Feldern in die Supermärkte bringt und exportiert, ist giftig.
Sonntag, 18.6., 18.30 Uhr, in Anwesenheit der Regisseurin

Wunder gibt es nicht – Die Verschwundenen von Mercedes-Benz
D/Arg 2017, 94 min, Regie: Gaby Weber
Die Regisseurin zeigt, wie während der Militärdiktatur Gewerkschafter von Mercedes-Benz Argentina nachts aus ihren Wohnungen entführt, in Folterzentren verschleppt und ermordet wurden und wie sie die Überlebenden gefunden hat. Zu den Violin-Variationen des „Dreizackmarsches“ (1928) erzählen die Opfer und Manager, die sie dem Wahrheitstribunal als Zeugen benannt hat: etwa der Folterer und Kindesräuber Rubén Lavallén, Sicherheitschef bei Mercedes.
Die Firma hat, so der damalige Justiziar, medizinische Geräte für Frühgeburten an das Militärhospital Campo de Mayo geliefert. Dort mussten schwangere Gefangene ihre Kinder zur Welt bringen, bevor sie ermordet wurden. Fünf dieser Babys sind nachweislich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Mercedes-Managern gelandet. Der Produktionschef, Juan Ronaldo Tasselkraut, erinnert sich, dass die Produktivität wegen Sabotage auf 30 Prozent gefallen war, bis sie normalisiert werden konnte.
Ob ein Zusammenhang mit den Morden an den Betriebsräten bestand? „Wunder gibt es nicht, Euer Ehren“, so seine Antwort. Der Film berichtet auch über die Bemühungen, die Täter vor Gericht zu bringen.
Montag, 26.6., 18.30 Uhr, in Anwesenheit der Regisseurin


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