Science-Fantasy

Manfred Idler hat eine Filmidee
|    Ausgabe vom 24. Februar 2017

Eine Idee für einen actionreichen Blockbuster: Ein Reich in der besten aller möglichen Welten, auf Weisheit und Erfahrung gegründet. Ein Gemeinwesen, in dem jeder seinen Platz hat – mit eingeschränkter Mobilität nach oben, mit großen Chancen zur Positionsveränderung nach unten. Ein Rat der durch Besitz Würdigsten regiert den Staatskörper und überlässt die Durchführung seiner Weisungen einer Versammlung zu Beratung und Beschluss. Als Verkörperung der Einheit dieser wohldurchdachten Konstruktion erwählen die Weisen alle paar Jahre zwei Persönlichkeiten, von denen eine nach Zählen der Zurufe aus den Massen als Repräsentant des Staatsganzen gelten darf.
Nun der Konflikt: Wieder ist die Zeit gekommen, den Bevollmächtigten zu erwählen. Doch dieses Mal ist alles anders: Ganz gegen die Regeln greift einer aus den Reihen des Hohen Rats selbst nach dem Amt. Getragen von einer Welle des Unmuts gegen die Starrheit des Systems aus dem Bodensatz der Gesellschaft, gelingt es ihm mit Hilfe einer Armee finsterer Trolle – Bewohnern der „Untererde“ - gegen den Widerstand seiner Brüder im Rat, die Würde des Repräsentanten zu erlangen und damit nach der ungeteilten Macht zu greifen. Die Weisen besitzen aber noch Mittel, um dem Usurpator die Macht wieder zu entreißen und das gewohnte Gleichgewicht  herzustellen. Sie können sich verlassen auf bewaffneten Ordnungskräfte, die Ausleger des gesellschaftlichen Regelwerks und die Priester der anerkannten Religion. Die große Entscheidungsschlacht dieser Kräfte bildet den Kern des Streifens, sie kann bei entsprechendem Budget zu einer Leistungsschau der Computeranimation und der Pyrotechnik ausgebaut werden. Wie sie ausgeht, dürfte klar sein.
Die unverzichtbare Liebesgeschichte müssen sich die Skript-Schreiber ausdenken, ich kann doch nicht alles machen und liefere nur das Handlungsgerüst. Bei der Besetzung der Rolle des Bösewichts sollte darauf geachtet werden, dass der Mime dem Typus Gert Fröbes entspricht, der einst dem „Goldfinger“ im gleichnamigen Bond-Film seine Statur lieh.
Eine Szene will ich allerdings noch etwas ausarbeiten, weil sie optisch sehr reizvoll ist: Zwei Greise, schon fast im Zustand der Auflösung und Vereinigung mit dem All-Einen, jedoch zusammengehalten durch perfekte Maßkleidung. Mit einem dritten, sehr viel jüngeren Mann – muskulös, scharf konturierte Züge – stehen sie vor den prunkvoll geschwungenen Waschbecken eines sehr hellen, luxuriösen Toilettenraums, fast eines Bedürfnissaals. Aus goldenen, voll aufgedrehten Hähnen strömt das Wasser, die drei waschen sich ausgiebig, den Blick starr dem eigenen Antlitz im Spiegel zugewandt, die Hände. Ohne erkennbare Regung, mit fast geschlossenen Lippen, raunt einer der beiden Betagten: „Lass es wie einen Unfall aussehen.“ Der Kräftige signalisiert durch ein kurzes Senken der Lider, dass er verstanden hat.


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Leserbrief zu »Science-Fantasy«, UZ vom 24. Februar 2017





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