Deutsche Konzerne für Trump

Manfred Dietenberger zum US-Wahlkampf
|    Ausgabe vom 18. November 2016

Manfred Dietenberger

Manfred Dietenberger

Bill Clintons Spruch „It’s the economy, stupid“ stimmte schon damals nicht und trifft derzeit im Falle Donald Trump ebensowenig auf die realkapitalistische Wirklichkeit zu. Zumindest war und ist das deutsche Kapital anderer Ansicht und handelt nach dem alten deutschen Sprichwort: „Eine Hand, die schenkt, wird nicht gekränkt.“
Clinton sammelte im US-Wahlkampf 687 Millionen, Trump 306 Millionen US-Dollar ein. Mehr als zwei Drittel der Parteispendenden deutsche Branchengrößen wie Allianz, BASF, Bayer, Deutsche Bank und Siemens landeten – indirekt über die Beschäftigten ihrer amerikanischen Tochterfirmen – in der Kampagnenkasse des Republikaners. Während diese Konzerne dies schon lange so praktizieren, hat diesmal die Spendengunst mancher deutschen Konzerne erstmals zu den Republikanern gewechselt, z. B. die US-Tochterfirma von Fresenius Medical Care.
Denn deutsche Konzerne setzten im US-Wahlkampf 2016 nur vordergründig überraschend auf die Republikaner. Für die FAZ war „die Dominanz der Konservativen“ bei der Spendenvergabe „frappierend“. Doch ein Sprecher gab eine banale Wahrheit preis: Bayer-PAC unterstütze nicht Trump oder Clinton, sondern „Kandidaten für parlamentarische Ämter, die sich intensiv mit Bayer-relevanten Themen befassen“, etwa Gesundheitspolitik oder Patentschutz.
Angeblich weiß man in Berliner Regierungskreisen und in der deutschen Wirtschaft noch nicht viel über die Wirtschaftspläne Trumps. Zumindest im Wahlkampf angekündigt hat er ein riesiges Infrastrukturprogramm. Mehr als 906 Milliarden Euro will Trump in marode Straßen, Tunnel, Brücken, Schulen und Krankenhäuser investieren. Und obendrein eine 1 500 Kilometer lange Mauer an der mexikanisch-amerikanischen Grenze bauen, um Migranten von der illegalen Einreise abzuhalten.
Beim Bau dieser „großen, schönen, mächtigen Mauer“ (Trump) will Bernd Scheifele, der Vorstandschef des im Dax notierten süddeutschen Baustoffherstellers HeidelbergCement kräftig mitmischen. Der weltweit tätige Konzern beschäftigt 63000 Mitarbeiter, z. B. auch beim Abbau von Steinbrüchen im besetzten Westjordanland und auf Java. Moral wäre schlecht fürs Geschäft. Der Baustoffkonzern Heidelberg Cement könnte den Beton für das Baumonster über seine amerikanische Tochter Lehigh Hanson liefern. „Ob das Thema Mauerbau an der mexikanischen Grenze tatsächlich kommt, muss man abwarten“, er sei „positiv gestimmt“, sagte Scheifele dem „Handelsblatt“. „Wenn ja, wären wir mit Zementwerken in Texas und Arizona gut vorbereitet.“
Sollte der Dollar angesichts der Unsicherheit an den Weltfinanzmärkten steigen, hätte der Zement- und Betonhersteller auch Währungsgewinne. „Das spült ordentlich in die Kasse“, sagte Scheifele. Mit einem Viertel Umsatzanteil ist Nordamerika einschließlich Kanada für den Betonbauer ein wichtiger Markt.
Ordentlichen Rückenwind von der Währung täte dem Konzern gut und würde helfen, die 3,7 Milliarden Euro teure Übernahme des italienischen Zementherstellers Italcementi leichter zu stemmen. „Selbstverständlich tragen Konzernmanager auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Nicht alles, was für ihr Unternehmen Umsatz verspricht, ist deshalb schon legitim. Es gibt rote Linien.“
Die Bewerbung um den Mitbau der Mauer sei ein Schnellschuss und schade dem Konzern, kritisierte der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bau, Robert Feiger, in der „Frankfurter Rundschau“ den Konzernchef.


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Leserbrief zu »Deutsche Konzerne für Trump«, UZ vom 18. November 2016





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