Hahnenkämpfe

Sigurd Mutiger zur ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“
|    Ausgabe vom 4. November 2016

Mit einer Talk-Runde von Anne Will startete die ARD am Sonntagabend eine Themenwoche „Zukunft der Arbeit“. Die Will-Runde blamierte sich nicht nur durch ein völliges „Thema verfehlt“, sondern auch durch ein wildes Durcheinanderreden und gegenseitiges Anschreien, Beleidigungen inklusive. Das angekündigte Thema „Zukunft der Arbeit“ kam in der einstündigen Diskussionsrunde lediglich am Rande zur Sprache. Vier männliche Alphatiere lieferten sich lautstarke Hahnenkämpfe um die These von Prof. Manfred Spitzer (Psychiater), man müsse Jugendliche bis 14 oder 16 Jahren von Internet und anderen IT-Technologien fernhalten.
Christian Lindner (Chef der FDP) schwärmte von den Chancen, dass Roboter das Leben der Menschen erleichtern werden. Und auch Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes BITKOM, sprach euphorisch von unternehmerischem Ethos, das den Menschen das Leben einfacher machen werde. Dass die Unternehmen dabei Geld verdienen sei lediglich eine „win-win-Situa­tion“.
Hier hätten sich durchaus Möglichkeiten ergeben können, auf den Kern des Themas einzusteigen, nämlich wer treibt die Digitalisierung voran und wer hat den Nutzen. Immerhin in einem Nebensatz wies Sascha Lobo (Buchautor und medienbekannter IT-Guru) darauf hin, dass es der Kapitalismus sei und nicht die Technik an sich, die diesen Wandel vorantreibe. Anne Will, schien an dieser Frage allerdings kein Interesse zu haben. Sie ließ eine Diskussion aus gegenseitigem Geplärre einfach laufen. So konnte kein einziger Gedanke, egal ob es um Bildung, Chancen und Risiken neuer Techniken oder moralische Fragen (wie beim automatischen Autofahren) ging, entwickelt werden.
Die am Vortag neugewählte SPD-Vorsitzende von Baden-Württemberg und Gewerkschafterin Leni Breymaier ließ sich weitgehend unterbuttern und fand von Frau Will keine Unterstützung, um etwas ausführlicher zu Wort zu kommen. Sie durfte immerhin das Abschlussstatement vortragen, in dem sie darauf hinwies, man dürfe sich der Technik nicht ausliefern, sondern man müsse sie gestalten. Sie forderte, dass die Gewinner des technologischen Transfers, diesen nicht zu Lasten des Arbeitsmarktes austragen dürften und empfahl schließlich gegebenenfalls radikale Arbeitszeitverkürzungen. Darüber wurde aber nicht mehr diskutiert, denn die Sendezeit war abgelaufen. Zufall? Eher nicht.


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Leserbrief zu »Hahnenkämpfe«, UZ vom 4. November 2016





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