Windeln statt Toilette

Christine Christofsky zu Pausenregelungen in den USA
|    Ausgabe vom 22. Juli 2016

Es hat ja schon oft und viele Versuche von Unternehmen gegeben, die Pausen für Toilettengänge einzugrenzen und den Turnus vorzuschreiben. Immer wieder gibt es – heute vor allem in den so genannten Entwicklungsländern, in denen unsere Kleidung und so manche Teile unseres Lebensalltags hergestellt werden – zähe Kämpfe um die Zeiten für den Gang zum Klosett.
In Deutschland dürfen dabei weder Kontrolle noch Reglementierung eine Rolle spielen. Eigentlich. Oft müssen aber Kassiererinnen in Kaufhäusern und Supermärkten oder Beschäftigte an Schaltern von öffentlichen Dienstleistungen wegen Personalmangels bis „auf den letzten Drücker“ warten, bevor sie eine Ablösung bekommen. Günter Wallraff erhielt im Laufe seiner vielen Recherchen einmal von einem Vorgesetzten folgende Regel erklärt: Es gibt eine Mittagspause und eine Toilettenpause. Das muss genügen. Dazwischen heißt es „Beine zusammenkneifen“.
Es gibt auch tolerante Gerichte, so z. B. das Kölner Amtsgericht, das 2010 die Klage eines Beschäftigten, dessen Lohn gekürzt wurde, weil er in drei Wochen 384 Minuten für Toilettengänge brauchte, zu dessen Gunsten entschied: der Lohn dürfe dafür nicht gekürzt werden.
In den USA, dem Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“, wurde laut der karitativen Organisation Oxfam jetzt eine neue Lösung gefunden. In Teilen der Geflügelindustrie sind überhaupt keine Pausen für den Gang zum „stillen Örtchen“ mehr erlaubt. Die meisten der dort arbeitenden Menschen tragen jetzt bei der Arbeit Windeln.
Und das ist kein Scherz!


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Leserbrief zu »Windeln statt Toilette«, UZ vom 22. Juli 2016





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