Börsenfusion scheitert

Lucas Zeise zu hessischen Freuden am Brexit
|    Ausgabe vom 22. Juli 2016

Jedes Mal, wenn die Frankfurter Börse die Londoner Börse übernehmen will, kommt Entscheidendes dazwischen. Absurd ist es ohnehin, dass die Organisation des kleinen Handelsplatzes die große, weltweit bedeutende Aktienbörse kaufen kann. Aber so ist es. Der Grund für den Reichtum der Frankfurter liegt in ihrer Klugheit, zur rechten Zeit einen Computerhandel für alle möglichen Finanzprodukte aufgelegt zu haben. Das brachte ihnen zu boomenden Finanzmarktzeiten Umsatz und satte Gewinne.

Die Sehnsucht Frankfurter Börsenchefs lag und liegt aber dort, wo die großen Banken und Fonds, wo die Finanzmarktentscheider zu Hause sind. Das ist London. Zwar spielt die Börse in London nicht sehr viel Geld ein, aber sie ist ein Prestigeobjekt. Weil das so ist, haben die reichen Frankfurter Manager des Börsenbetriebs seit jeher den Drang, den Londoner Platz aufzukaufen, und dann mit Mann, Maus und Computern in die britische Hauptstadt zu ziehen und von dort aus die größte Börse der Welt – noch vor New York – zu lenken.

Wer zu Hause bleibt, bleibt auch in der Provinz. Das sind die Frankfurter Börsenhändler, Banken und die hessische Landesregierung. Letztere ist für die Börsengenehmigung zuständig. Sie traute sich nicht, den Managern zu widersprechen und den Kauf der Londoner samt Umzug zu untersagen. Da kommt ihr das britische Volk zu Hilfe. Den Sitz der Frankfurter Börse in ein Nicht-EU-Land zu verlegen, das wäre zu stark. Jetzt weigern sich die Aktionäre, und die Frankfurter Börse ist gerettet. Den Dummen gibt’s der Herr im Schlaf.


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