Tiefer hängen

Ein Kommentar von Georg Fülberth zur Tagung der Bilderberger
|    Ausgabe vom 17. Juni 2016

Die diesjährige Bilderberg-Konferenz (benannt nach einem Hotel, in dem sie 1954 erstmals stattfand) war, was auch ihre Vorgängerinnen in den vergangenen Jahren gewesen sind: ein Treffen von Wichtigtuerinnen und Wichtigtuern aus Wirtschaft und Politik, die eine unter vielen Gelegenheiten nutzten, um sich wechselseitig ihrer Bedeutung zu versichern. Operativ dürfte sie eher belanglos sein. Dass sie stattfindet und dass um sie viel Heimlichtuerei veranstaltet wird, ist vor allem eine Machtdemonstration, die durch von außen an sie heran getragene Verschwörungstheorien gewürzt wird.
In ihrer Gründungszeit mochte noch einiges anders sein. Damals mussten Weichen gestellt werden: Organisierung Westeuropas gegen den Kommunismus und Etablierung einer transatlantischen Achse. Aber die praktische Politik hatte da längst schon vorgearbeitet: Marshall-Plan, NATO, Beginn der westeuropäischen Integration. Da das alles relativ neu war, konnten die Treffen der so genannten „Eliten“ nützlich sein. Derlei gab es auch auf anderen Feldern, so die 1947 gegründete Mont-Pelèrin-Gesellschaft, in der sich marktradikale Ökonomen organisierten und ihren langen Marsch durch die Institutionen und Lehrstühle begannen.
1973 wurde auf einer Bilderberg-Konferenz die „Trilaterale Kommission“ gegründet, ebenfalls ein elitärer Zirkel. Seit 1975 gibt es G 7, bereits seit 1963 die Münchner Sicherheitskonferenz und seit 1971 das Weltwirtschaftsforum in Davos. Von den Bilderberg-Konferenzen unterscheiden sie sich durch größere Publizität. Aber das täuscht: die wirklich interessanten Absprachen dürften auch da am Rande und in aller Stille stattfinden.
Katja Kipping, die Vorsitzende der Linkspartei, kritisiert zu Recht die obszöne Verbindung von großem Geld und hoher Politik in den Bilderberg-Konferenzen. Dass die Kapitalisten am besten keinen Einfluss auf die Staatsgeschäfte haben sollten, bemerkte sogar schon der marktliberale Ökonom Adam Smith. Er hat vergebens gewarnt. Um das zu sehen, braucht man nicht die Bilderberg-Konferenzen, relevanter sind die Parteien- und Wahlkampf-Finanzierungen in den USA und in Deutschland.
In Dresden demonstrierten nicht nur Aktivisten von Occupy Wallstreet, sondern auch die Kameraden von Pegida und AfD. Sie ärgert, dass ein neuer Faschismus vorerst ausfällt. Dieser ist ja durch ein Bündnis von Mob und Eliten charakterisiert. Letztere wollen vorerst noch unter sich sein.


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Leserbrief zu »Tiefer hängen«, UZ vom 17. Juni 2016





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