Vergelt‘s Gott

Ein Kommentar von Lars Mörking
|    Ausgabe vom 27. Mai 2016

Lars Mörking

Lars Mörking

Die katholische Pax Bank hat VW-Aktien „aus ihren Fonds rausgeworfen“, also verkauft. Im Tagesspiegel-Interview erzählt Pax-Bank-Chef Klaus Schraudner, die Entscheidung sei getroffen worden, weil es bei dem VW-“Abgasskandal“ um Betrug gehe. Dass so ein Geschäftsgebaren für eine katholische Einrichtung nicht akzeptabel ist, versteht sich von selbst. Inakzeptabel ist für die Pax Bank auch ein Kauf von Bayer-Aktien. Der Chemiekonzern ist nach Kauf des Anti-Baby-Pillen-Herstellers Schering als Anlageobjekt ethisch nicht mehr vertretbar.
Mit diesen Wertevorstellungen ist Bankchef Klaus Schraudner derzeit im Auftrag des Herrn unterwegs. Er bewirbt seine Bank und ihre Öffnung für Nicht-Katholen als Kunden. Diesen Schritt begründet Schraudner nicht mit der Notwendigkeit der Kundengewinnung, sondern damit, dass sich die Bank an Papst Franziskus orientiere. Der Papst predige, dass Kirche „stärker in der Gesellschaft unterwegs sein“ müsse. „Das ist ein Anspruch, den wir auch an unsere Bank haben. Dazu kommt, dass wir mit unserem Wertekodex den Zeitnerv treffen“, so Schraudner weiter. Geldanlagen sollten demnach neben einer finanziellen auch eine soziale Rendite abwerfen.
Um den „Zeitnerv“ mit ihrem Wertekodex zu treffen, hat die Pax Bank einen Ethikbeirat eingerichtet, in dem neben Theologen und Sozialethikern auch Wissenschaftler sitzen sollen. Gerade im katholischen Milieu hat ein Ethikrat sicher viel zu tun, zumal dem Wertekodex der Pax Bank bisher klare Kriterien fehlen.
So verabschiedete man sich 2009 nach Berichten des „Spiegel“ aus der Anlage in Aktien vom Rüstungskonzern BAE Systems. Das sollte einen jedoch nicht zu der Annahme verleiten, die „Pax“-Bank habe grundsätzlich etwas gegen Krieg. Gerade in neuen Geschäftsbereichen engagiert sich die „stark internetgetriebene“ (O-Ton Schraudner) Bank auch für das Seelenheil des Militärs. Das katholische Crowdfunding – laut „Tagesspiegel“ eine Art Klingelbeutel 2.0 – werden Projekte wie „Kinderbetreuung in the box“ finanziert. Dabei geht es um die Anschaffung von Spielekisten für Militärseelsorger, die für die Kinder „tolle Spielmöglichkeiten zum Auspacken und Entdecken“ bieten sollen, „wenn der Pfarrer kommt!“


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