Vor 50 Jahren:

Honeywell feuert Betriebsratsvorsitzenden

Von Klaus Seibert
|    Ausgabe vom 29. April 2016

Klaus Seibert war stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Honeywell

Vor 50 Jahren, am 22. April 1966, setzte in einer Blitzaktion der amerikanische Konzern Honeywell den 32-jährigen Betriebsratsvorsitzenden Rolf Knecht in der damals noch selbständigen Gemeinde Dörnigheim vor die Tür. Zugleich erteilte die Leitung des Konzerns dem engagierten Gewerkschafter Hausverbot. „Sie haben während der Arbeitszeit Propaganda für die verbotene kommunistische Partei bzw. die Sozialistische Einheitspartei (SED) betrieben. Diese Propaganda haben Sie, was besonders erschwerend wirkt, während Ihrer Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender des Werkes während Betriebsratssitzungen ausgeübt.“ So die Formulierung der Vorwürfe der Honeywell.
Viele für die Unternehmer unliebsame Betriebsräte und Gewerkschafter verloren im kalten Krieg der 50er und 60er Jahre ihren Arbeitsplatz. Die meisten konnten ihre Wiedereinstellung nicht durchsetzen. Doch der Fall Knecht sollte für bundesweites Aufsehen sorgen, wie u. a. der unten aufgeführte Bericht der Zeitung „Die Zeit“ vom 17. Juni 1966 anschaulich darstellt. Mit allen möglichen Unterstellungen, fiesen Tricks bis zu dem Angebot auf 50 000 D-Mark, eine für damalige Verhältnisse astronomische Summe, versuchte Honeywell unter allen Umständen Rolf Knecht loszuwerden.
Doch Rolf Knecht blieb standhaft. Mit Unterstützung der IG Metall und seines Anwalts Kurt Thon ging er durch alle Instanzen der Justiz. Nach etwas über einem Jahr entschied das Bundesarbeitsgericht (damals in Kassel), dass die Entlassung rechtswidrig ist, und er in seine alte Funktion wieder eingesetzt werden muss. Rolf Knecht kehrte unter dem Jubel seiner Kolleginnen und Kollegen zur Honeywell zurück. In seiner Funktion als Betriebsratsvorsitzender blieb er bis zu seinem verdienten Ruhestand und es gab für die Beschäftigten meist erfolgreiche Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber. Erinnert sei nur an den 6½ wöchigen Streik 1984 um den Einstieg in die 35-Stunden-Woche, in der Rolf Knecht der Arbeitskampfleiter bei Honeywell war.

Klaus Seibert war stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Honeywell


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