Auf nach Büchel!

Grußwort von Konstantin Wecker für die Aktion „Büchel atomwaffenfrei“
|    Ausgabe vom 29. April 2016

Liebe Freunde,

gerne unterstütze ich Eure Aktion in Büchel und die Mobilisierung dafür mit einem Grußwort.
Dem Bulletin of the Atomic Scientists zufolge verfügen die USA über mehr als 4700 aktive Atomsprengköpfe. Die U. S. Navy hat 14 atomgetriebene U-Boote mit Nuklearwaffen bestückt.

Konstantin Wecker

Konstantin Wecker

( Shari Deymann)

Wenn auch nur eines von ihnen seine 24 Trident-Raketen abschießen würde könnten damit alle Großstädte eines Landes dem Erdboden gleichgemacht werden. Millionen Menschen würden sterben, ein nuklearer Winter würde ausbrechen, der eine weltweite Hungerkatastrophe auslösen würde.
Man stelle sich mal vor, Donald Trump wäre am Drücker!
Aber dieses ungeheure Potential reicht den USA offenbar immer noch nicht aus. Nach Plänen der Obama-Regierung sollen in den nächsten 30 Jahren für die „Modernisierung“ des Nuklearwaffenarsenals bis zu einer Billion Dollar ausgegeben werden. (Le Monde diplomatique) Als ob die Treffgenauigkeit einer Rakete, deren Sprengköpfe im Umkreis von 2 Kilometern jedes Leben auslöschen kann, noch irgendeine abschreckende Rolle spielen könnte.
Wie erklärt sich dieser Drang, immer neue Atomwaffensysteme zu finanzieren?
Es ist die Gier der Atomwaffenindustrie, und es geht um exorbitante Gewinne.
Der Staat garantiert den Auftragnehmern einen festgelegten Prozentsatz als Profit. Es können also auch Firmen, die schlechte Arbeit abliefern, kein Geld verlieren.
Ist das die viel gepriesene menschliche Vernunft, die auch in der Flüchtlingsdebatte gegen die ach so naive Empathie ins Spiel gebracht wird?
Oder ist das schlichtweg nur noch unverhohlener Wahnsinn?
Der kollektive Wahnsinn ist in der Geschichte des 20. Jahrhundert am deutlichsten zu erkennen.
„1914 brach der erste Weltkrieg aus. Grausame Vernichtungskriege ziehen sich durch die gesäte Menschheitsgeschichte, ebenso wie Sklaverei, Folter und zunehmende Gewaltbereitschaft aus religiösen und ideologischen Gründen“, schreibt Eckhart Tolle.
Als der Krieg 1918 zu Ende war, blickte man auf 10 Millionen Tote und unzählige Verstümmelte und Verkrüppelte. „Nie zuvor hatte der menschliche Wahnsinn auf so sichtbare Weise eine so destruktive Wirkung entfaltet. Niemand ahnt, dass das erst der Anfang war.“
Wir wissen, was folgte. Bis zum Ende des Jahrhunderts sollte die Zahl der Menschen, die durch die Hand von Mitmenschen eines gewaltsamen Todes starben, auf über 100 Millionen Tote steigen.
Hat die Menschheit daraus gelernt? Der Wahnsinn setzt sich fort. Unerbittlich. Gnadenlos.
Bis auf wenige und wunderschöne Ausnahmen ist die Geschichte der Menschheit eine Geschichte des Wahn­s­inns.
Jedenfalls seit ungefähr 12 000 Jahren, seit der Besitz die Menschen korrumpierte.
Wäre diese Geschichte der Menschheit der „klinische Zustandsbericht eines einzelnen Menschen, müsste die Diagnose lauten: chronische paranoide Wahnvorstellungen, ein pathologischer Hang zu Mord und anderen Gewalt-und Gräueltaten gegenüber angeblichen ‚Feinden‘ – Projektion des eigenen Unbewussten nach außen.“ (Tolle) Und doch können wir all dem Wahnsinn etwas entgegensetzen:
Fantasie, Zärtlichkeit, ein neues Bewusstsein voll Empathie und Ungehorsam.
Eine Revolution des Geistes und der Herzen, Widerstand gegen die Unmenschlichkeit, jeder auf seine Weise, in seinem Bereich, mit seinen Möglichkeiten.
Es sind die sogenannte „Eliten“ die von ihrem Ego nicht loslassen können, von ihrer materiellen Gier, ihrer Unfähigkeit mit dem Herzen zu denken, und all diejenigen, die sich von ihnen nur allzu gern manipulieren lassen.
Weigern wir uns, ein Teil dieses geisteskranken Systems zu sein und uns weiter als Kanonenfutter dieser bewusstseinslosen Egomanen verheizen zu lassen.
Miteinander und nur miteinander können wir diese Krankheit besiegen.


Liebt Euch und widersteht!
Konstantin Wecker


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Leserbrief zu »Auf nach Büchel!«, UZ vom 29. April 2016





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