Der Befreiungstheologe

Ein Kommentar von Werner Sarbok
|    Ausgabe vom 1. April 2016

Da hat er die Chinesen lang gemacht bei seinem Staatsbesuch, unser Bundespräsident. Das war in unseren vielfältigen Medien zum Abschluss des Gauck-Besuches in China einmütig zu hören oder zu lesen.

Der Theologe verkündete im Auftrag seiner Klasse die Worte von der Befreiung der Menschheit durch den Kapitalismus. Schließlich komme er ja aus dieser DDR, aus diesem Staat, der als einziger deutscher Staat keine anderen überfiel, der das Recht auf Arbeit, auf eine sichere Zukunft seiner Jugend, die Gleichberechtigung der Geschlechter durchsetzte. Der es ermöglichte, dass jeder seiner Bürger von seiner Arbeit menschenwürdig leben konnte, der für preiswerten Wohnraum sorgte. Der deutsche Staat, der seine Bürger vor Nazis und der Ausbeutung durch Banken und Konzerne schützte, dessen Entwicklungshilfe Hilfe und keinen Würgegriff für andere Länder bedeutete.

Der strahlende Überwinder dieses Unrechtsstaates hat also dem Chinamann gezeigt, wo der Hammer der Befreiung der Menschheit hängt. Er „habe mit den Kadern der Parteischule über Marxismus und Kommunismus in Theorie und Praxis geredet, dass selbst die gestaunt hätten“, weiß der „Tagesspiegel“ zu berichten.

Ich staune da auch immer, wenn diese Befreiungstheologen des Kapitals der Menschheit überzeugend erklären, dass die Erde eine Scheibe ist. Sie sind wahrhaftig die Garanten für die Befreiung von allem, was Voraussetzungen für Frieden und sozialen Fortschritt auf diesem Planeten schaffen kann.


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