UZ-Serie "Unsere Oligarchen"

Spitzen des deutschen Finanzkapitals
Von Richard Corell und Stephan Müller
|    Ausgabe vom 11. März 2016

Unsere Autoren Richard Corell und Stephan Müller recherchieren seit den 70er Jahren zum Thema und schreiben u. a. in KAZ und junge Welt.

In der Bundesrepublik Deutschland hängen Macht und Herrschaft am Eigentum von Produktionsmitteln. Hier, wie in jedem kapitalistischen Land, hängt die Produktion des materiellen Lebens davon ab, dass die privaten Eigentümer sich davon Profit versprechen und investieren. Vor­aussetzung dazu ist „Freiheit“, ein freier Markt auf dem sie Maschinen und Rohstoffe kaufen können, vor allem aber Arbeitskraft. Die Besitzer der Arbeitskraft werden diese in der Regel nur verkaufen, wenn sie selbst keine Produktionsmittel haben. Dieses gesellschaftliche Verhältnis, das Kapital, deckten Karl Marx und Friedrich Engels auf. Sie zeigten, wie sich aus der Feudalgesellschaft die beiden Hauptklassen des Kapitalismus im Klassenkampf herausbilden und weiterentwickeln. Kapital kann nicht ohne Krisen existieren, in denen „je ein Kapitalist viele andere totschlägt“ und die die Arbeiterklasse, wenn sie sich nicht organisiert, zu armen Teufeln machen. Resultat im 20. Jahrhundert: Wenige Großkapitalisten bestimmten das Feld und streben Monopole an.
Die Macht unserer Gegner verteilt sich nach der Größe des Kapitals, und Lenin fragt: nach was sonst? Um ihr Überleben im gegenseitigen Totschlagen zu sichern, verbünden sich die industriellen Großkapitalisten immer enger mit ihren Großbanken. Sie bilden, wie Lenin sagt, eine imperialistische Finanzoligarchie, die um die Aufteilung der Welt kämpft und sich dabei den Staat mehr und mehr dienstbar macht. Folge: Zwei Weltkriege, ausgelöst durch die deutschen Imperialisten; Revolutionen, zum Teil erfolgreich, eine Zeit lang. In Westdeutschland gelang der zweimal geschlagenen deutschen Finanzoligarchie im Windschatten des US-Imperialismus der Wiederaufstieg und schließlich auch die Konterrevolution in der DDR.
Wer sind nun im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts konkret die deutschen Finanzoligarchen, die zum dritten Anlauf um die Weltmacht ansetzen? Wir wollen zwölf davon, die die Szene bestimmen, in der hier beginnenden monatlichen Kolumne vorstellen: Oft sind es die Erben der Finanzoligarchen, die die Weltkriege angezettelt haben. Sie haben dazugelernt: Diesmal soll die Frage nach der Weltmacht erst offen ausgesprochen werden, wenn nach der wirtschaftlichen auch die politische und militärische Hegemonie in Europa gesichert ist, durch das „Friedensprojekt“ EU. Wir wollen zeigen: Worauf gründet sich ihre ökonomische Macht? Wer sind ihre Bündnispartner im In- und Ausland, wo spannen sie ihre Netzwerke, wer sind ihre Hauptkonkurrenten? Die 12 heißen Siemens und Porsche, Quandt und Mohn (Bertelsmann), Kröner (Fresenius) und Oetker, Bosch und Plattner (SAP), Voith und von Brandenstein-Zeppelin, Schäffler und Henkel. Wir hoffen, mit der Spitze den Eisberg Finanzkapital sichtbar zu machen.

Unsere Autoren Richard Corell und Stephan Müller recherchieren seit den 70er Jahren zum Thema und schreiben u. a. in KAZ und junge Welt.


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