XXXL-Sauerei

Mann-Mobilia entlässt Beschäftigte im Schnellverfahren und verwehrt ihnen Zugang zu ihren Arbeitsplätzen
Von UZ
|    Ausgabe vom 12. Februar 2016
XXXLutz Möbelhaus an der Theresienhöhe in München (2012) (Foto: Usien / wikimedia.org / CC BY-SA 3.0)
XXXLutz Möbelhaus an der Theresienhöhe in München (2012) (Foto: Usien / wikimedia.org / CC BY-SA 3.0)

Gewerkschaftssekretär Stephan Weis-Will: „Das Verhalten der XXXLGeschäftsleitung ist ein Skandal. Es ist schlicht unmenschlich und menschenverachtend. Die Beschäftigten werden behandelt wie Verbrecher. ver.di wird die Betriebsräte und Beschäftigten selbstverständlich beim Kampf um die Arbeitsplätze unterstützen. 80 Prozent der Betroffenen sind Frauen! In der Verwaltung arbeiten die Menschen zum Teil schon seit 20–30 Jahren“

Etwa 90 Kolleginnen wurden bei Mann-Mobilia in Mannheim durch den Sicherheitsdienst des Möbel-Giganten am Zugang zu ihren Arbeitsplätzen gehindert.

Hintergrund dieser Aktion des – nach eigenen Angaben – zweitgrößten Möbelhändlers der Welt – sind Umstrukturierungen mit dem Ziel der Gewinnmaximierung. Und wenn es um den Profit geht, schert sich der gemeine Kapitalist einen Dreck um Gesetze und die Rechte von Beschäftigten.

Weder Beschäftigte noch Betriebsrat waren im Vorfeld über die geplante „Umstrukturierung“ informiert. Ein Brief der Firmenleitung informierte die 99 Kolleginnen und Kollegen lapidar, dass ihr Arbeitsplatz weggefallen sei. Mit ähnlichen Methoden hatte der Möbel-Gigant, der zur österreichischen XXXLutz KG gehört, bereits 2013 den Standort München platt gemacht. Auf stern.de ist über XXXLutz zu lesen: „Durchschnittlich sechs Möbelhäuser schluckt der Gigant pro Jahr, der Umsatz wächst weit schneller als der Markt.“

Hinter XXXLutz stecken die Brüder Andreas und Richard Seifert, „Deutschlands härteste Arbeitgeber“. Richard Seifert wird im gleichnamigen Beitrag vom Manager Magazin mit den Worten zitiert, „die Wiederauferstehung des Kommunismus“ stünde bevor, wenn Gewerkschaften und andere Bedenkenträger nicht in ihre Schranken verwiesen würden. Diese frohe Botschaft soll er der Branche in einem offenen Brief an die Zeitschrift „Möbel Kultur“ mit auf den Weg gegeben haben.

Die Kommunisten von der DKP Hessen waren zumindest nicht untätig. Sie veröffentlichten direkt nach Bekanntwerden des Rausschmisses von knapp hundert Kolleginnen und Kollegen Informationen zu Mann-Mobilia, und riefen die Beschäftigten anderer Standorte zu Solidaritätsaktionen auf:

„Den betroffenen Kolleginnen und Kollegen bei Mann-Mobilia ist nur zu wünschen, dass diejenigen ihrer Kollegen, die noch (!) nicht auf Grund der Gewinnmaximierung ihren Arbeitsplatz verloren haben, sich solidarisch zeigen und gemeinsam mit den Betroffenen gegen die Angriffe des Unternehmens auf Lebens- und Arbeitsbedingungen kämpfen.

Betroffen sind über kurz oder lang nämlich alle Beschäftigten; ob in Mannheim, Wiesbaden, Eschborn, Dreieich oder Darmstadt. Wenn die Kapitalseite Möglichkeiten sieht, über Umstrukturierungen, Entlassungen und Ausgliederungen die Personalkosten zu senken und damit die Gewinne zu erhöhen, dann wird sie das auch machen.“

In Heilbronn scheinen sich die Kolleginnen und Kollegen dessen bewusst zu sein. Sie organisierten eine spontane Aktion unter dem Motto „Keine XXXL Sauerei“, um gegen die Entlassungen der Beschäftigten von XXXL Mann Mobilia in Mannheim zu protestieren. Die Hausleitung rief die Polizei.

Gewerkschaftssekretär Stephan Weis-Will: „Das Verhalten der XXXLGeschäftsleitung ist ein Skandal. Es ist schlicht unmenschlich und menschenverachtend. Die Beschäftigten werden behandelt wie Verbrecher. ver.di wird die Betriebsräte und Beschäftigten selbstverständlich beim Kampf um die Arbeitsplätze unterstützen. 80 Prozent der Betroffenen sind Frauen! In der Verwaltung arbeiten die Menschen zum Teil schon seit 20–30 Jahren“


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