Weniger Zeit, gleiche Fläche

IG BAU und GEW Krefeld: Keine Kürzungen auf dem Rücken der Gebäudereiniger
Von Cayan Kartal
Aus Neues Leben/Yeni Hayat, mit freundlicher Genehmigung
|    Ausgabe vom 11. Dezember 2015

( IG Bau)

Nachdem im Sommer Ausschreibungen für die Reinigung der städtischen Gebäude wie z. B. Schulen und Kitas in Krefeld durchgeführt wurden, haben sich die Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte extrem verschlechtert. Die Stadt Krefeld hatte zuvor Kürzungen geplant und die Ratsparteien bis auf „Die Linke“ hatte diese beschlossen. Bei der Ausschreibung für die Reinigung der städtischen Gebäude wurde weniger Zeit eingeplant meistens sogar bei gleicher Fläche. Die Reinigungsfirmen, die das niedrigste Angebot abgegeben hatten, bekamen somit die Aufträge, diese haben dann auch weniger Reinigungskräfte eingestellt.

Somit kam es zur Personalreduzierung und zu Zeitkürzungen bis zu 50 Prozent bei gleichbleibender Fläche. Die Stadt Krefeld hat Verträge mit Reinigungsfirmen geschlossen, die aus Profit- und Vertragsgründen flächendeckend für schlechte Arbeitsergebnisse sorgen dürften. Viele der Reinigungskräfte wurden vor Antritt der neuen Reinigungsfirmen von den alten Firmen entlassen. Die Stadt Krefeld hat am Ende der Ausschreibung mit fünf Reinigungsfirmen einen Werksvertrag abgeschlossen. Das Resultat dieser massiven Kürzungen ist, dass die Lehrkräfte in den Schulen und Kitas auch noch in Ihrer Arbeitszeit ungewollt mitreinigen müssen.

Die Stadt Krefeld will in diesem Bereich bis zu 300 000 Euro sparen. Alles auf Kosten der Beschäftigten (Reinigungskräfte, Lehrpersonal usw.). Zudem leiden Schüler und Kleinkinder in den Kitas darunter, weil diese Einrichtungen dementsprechend kaum gereinigt sind.

Die ArbeiterInnen, die jahrelang dieselben Einrichtungen reinigen, müssen bei jeder Ausschreibung um ihren Arbeitsplatz neu bangen, weil die Firmen, die den Auftrag bekommen, diese nicht einstellen müssen. Falls sie dann doch zu den Glücklichen zählen, fangen sie wieder ein befristetes Arbeitsverhältnis an und stehen unter Zeitdruck.

Die zuständige Gewerkschaft IG BAU spricht von Turbo-Putzen und prangert schon seit langem diese miesen Bedingungen an. Alle diese Beschäftigten sind auf den Job angewiesen, zumal es sich meistens um Frauen – manchmal mit Migrationshintergrund, manchmal alleinerziehend – handelt.

Ein Leben lang befristet und prekär. Hinzu kommt, dass den Reinigungskräften, die sich den schlechten Arbeitsbedingungen widersetzen, seitens der Reinigungsfirmen mit Kündigung gedroht wird.

Die Reinigungsfirmen sparen auch noch bei der Anschaffung von Arbeitsmaterial und Maschinen. Es gibt nicht einmal genügend Putzmittel oder technische Ausrüstung. Die Beschäftigten müssen teilweise eigene Putzmittel mitbringen, weil die Reinigung nur mit Wasser unmöglich ist. Sie nehmen die Möppe mit nach Hause, weil sie nicht gewaschen werden. Sie bringen sich ihre eigenen Handschuhe mit, weil die nicht immer zur Verfügung gestellt werden.

Die IG BAU hatte schon vor den Ausschreibungen die miesen Arbeitsbedingungen in den Krefelder Schulen festgestellt und aufgedeckt. Durch die örtliche IG-BAU-Fachgruppe Gebäudereinigung wurden Infoveranstaltungen, eine Pressekonferenz und Aktionen durchgeführt. Es wurden konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Lage anhand eines 10-Punkte-Programms erstellt, was schließlich mit einigen Zugeständnissen der Stadt Krefeld endete. Das alles vor der Ausschreibung.

Nach den drastischen Kürzungen hat sich die IG BAU und die Krefelder GEW entschlossen, sich zusammen mit betroffenen Reinigungskräften und Lehrpersonal diesen Zuständen und Arbeitsbedingungen zu widersetzen. Gefordert wird mehr Personal für die Reinigung in den städtischen Objekten und die Rücknahme der Kürzungen, mehr Zeit für die Reinigungskräfte, keine Einsparungen auf dem Rücken der Beschäftigten.

Die aktiven KollegInnen der beiden Gewerkschaften planen weitere Aktionen zu diesem Thema und möchten die Empörten und direkt Betroffenen bündeln um sich gemeinsam diesen schlechten Bedingungen zu widersetzen.

Basri Cakir, Fraktionsvorsitzender der LINKEN erklärte in einer Pressemitteilung zu diesem Thema: „Jetzt wissen wir, was Optimierung der Gebäudereinigung bedeutet. Sie wurde von SPD, CDU und den Grünen mit dem Haushalt beschlossen. Jährlich sollen 300 000 Euro eingespart werden. Der Preis: Verschmutzte Kitas und Schulen, Reinigungskräfte am Rand der Erschöpfung, sozialer Druck auf die Beschäftigten. Diese Optimierung können sich die Menschen, die von dem Geld leben müssen, nicht leisten.“

In der Pressemitteilung der IG BAU heißt es seitens des zuständigen Gewerkschaftssekretärs Mahir Sahin: „Wenn etwa 75 Quadratmeter in zehn Minuten zu reinigen sind, dann ist das für die Beschäftigten einfach nicht zu schaffen. Das muss den Verantwortlichen im Rathaus eigentlich klar sein.“

Er fordert die Stadt auf, endlich bessere Arbeitsbedingungen in der Branche durchzusetzen. „Die Reinigungskräfte müssen jetzt teilweise die gleiche Fläche in der halben Zeit putzen – gerade in den Schulen. Wie soll da jede Toilette blitzblank bleiben?“, fragt der Gewerkschaftssekretär. Unter dem Arbeitsdruck litten am Ende natürlich die Schüler. Auch deshalb müsse die Stadt nun dringend handeln.


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Leserbrief zu Artikel »Weniger Zeit, gleiche Fläche«, UZ vom 11. Dezember 2015





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