Kriegsverursacher bekämpfen!

Kolumne von Aitak Barani
|    Ausgabe vom 11. September 2015

Fluchtursachen bekämpfen und nicht die Flüchtlinge! Richtig – eigentlich. Ich stelle mir vor, Gauck nimmt das ernst und Merkel schreitet zur Tat. Von der Leyen hat die Bundeswehr auf Vorderfrau gebracht, startet wieder ihre „Friedenskriege“, „Demokratiefeldzüge“ und „Zivilisationsexporte“.

Sie haben ja auch in der Ukraine den „friedlichen“ Demonstranten geholfen, Frauen in Afghanistan vor den Taliban gerettet, Kinder vor Gaddafi geschützt.

Komisch, dass nach jeder Rettungsaktion verwüstete Länder hinterlassen werden, aus denen dann millionenfach die Menschen flüchten müssen.

Wer heute diese Regierung auffordert Fluchtursachen zu bekämpfen, ruft die Verursacher der Flucht zur Hilfe. Der französische Ministerpräsident Hollande hat den Sprung geschafft: Frankreich soll sich am Bombenterror in Syrien beteiligen. Mal sehen, wie lange Merkel auf sich warten lässt. Warum nicht Damaskus bombardieren? Jetzt wo endlich der IS kurz vor der Hauptstadt steht und den NATO-Staaten Bombenargumente zum Eingreifen liefert. Das hat doch Kontinuität: In Worten Frieden, in der Tat Krieg.

Die Menschen wollen ihre Länder nicht verlassen, sie werden dazu gezwungen. Und: Die meisten Menschen in der BRD wollen keinen Krieg, keine Bundeswehreinsätze und auch nicht die massenhafte Vernichtung von Lebensgrundlagen weltweit. Aber trotzdem ist die BRD dabei: bei der Vernichtung, bei der Ermordung.

Mir wird angst und bange, wenn ich sehe, wie Merkel Flüchtlingskindern mit ihrer Hilfe droht, das Hetzblatt BILD titelt „Flüchtlingen helfen!“ und Gabriel sich schützend vor ein bedrohtes Lager wirft.

Lasst uns Fluchtursachen benennen, aufdecken, öffentlich machen. Wir müssen immer fragen „Wessen Interesse ist das?“, „Wer profitiert?“ Lasst uns dafür aufstehen, diese Fluchtursachen zu bekämpfe, nämlich Kriege und deutsche Kriegsbeteiligungen, Waffenexporte, Landraub, Umweltzerstörung usw.

Ein afghanischer Bekannter sagte vor ein paar Tagen: „Ist das Herz groß, gibt es viel Platz, ist dein Herz klein, hast du kein Platz.“ Wir redeten über die skandalöse Unterbringung und Verpflegung von Flüchtlingen in der BRD und über diese selbst herbeigeführte „humanitäre Katastrophe“ in der EU. Sie wollen die doch, damit sie wieder an das Grundrecht auf Asyl dran können.

In Deutschland aber gibt es gerade viele Menschen mit einem großen Herzen. Da liegt Hoffnung. Diese Menschen, die ich erlebe, wollen nicht nur spenden und ihr Gewissen beruhigen. Viele haben Fragen, wollen verstehen, sich organisieren. Da ist unser Platz.

Aitak Barani (Frankfurt a.M.) ist Mitglied der DKP und bei der Unterstützung von Flüchtlingen aktiv


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