Jugend
Themen: SDAJ
Interview

Kämpfen, wo wir lernen und arbeiten

Christoph Hentschel im Gespräch mit Lena Kreymann
|    Ausgabe vom 29. März 2018

UZ: Die SDAJ hat sich eine neue Satzung gegeben. Seid ihr mit der alten nicht 50 Jahre gut gefahren?

Lena Kreymann: Der Beschluss, dass wir uns eine neue Satzung geben, ist schon etwas älter. Wir haben bereits vor zwei Bundeskongressen festgestellt, dass unsere Satzung in vieler Hinsicht nicht unseren Ansprüchen genügt.
Zum Beispiel hat die alte Satzung nur gesagt, wer, wann, warum Mitglied der SDAJ sein darf, und nichts Weiteres genauer gefasst. Demgegenüber haben wir uns jetzt entschlossen, in unserer Satzung einiges mehr festzulegen und unsere Arbeitsweise zu konkretisieren. Dabei geht es um die Beschlussfassung und -treue und unsere Ansprüche an die Mitgliedschaft, was Kritik und Selbstkritik oder die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit betrifft.

UZ: Neben der Satzung hat die SDAJ eine Handlungsorientierung beschlossen. In der bekräftigt ihr, dass ihr euch in den nächsten zwei Jahren auf Schule und Betrieb konzentrieren wollt. Fallen da nicht andere wichtige Kampffelder wie Antifaschismus und Antimilitarismus hinten runter?

Lena Kreymann: Schule und Betrieb sind in erster Linie die Orte, wo wir Politik machen wollen, weil das der Lebensschwerpunkt der Arbeiterjugendlichen ist und wo wir selbst arbeiten und lernen. Dort können wir konkrete Interessenvertretungspolitik betreiben, aber auch interessengeleiteteten Antimilitarismus und Antifaschismus umsetzen.
Das heißt, wir wollen mit den Kolleginnen und Kollegen Diskussionen um Aufrufe wie „abrüsten statt aufrüsten“ führen und als aktive Gewerkschafter auf Beschlüsse in den Gremien, aber auch beispielsweise in den Vertrauensleutestrukturen der Betriebe hinwirken. Das bedeutet aber auch, mit Schülerinnen und Schülern Aktionen gegen Bundeswehrauftritte in Schulen und auf Ausbildungsmessen zu machen und gegen Rassismus und faschistische Vorstellungen vorzugehen.

UZ: Ihr habt ausgewertet, dass ihr die Anleitung stärken müsst. Gleichzeitig sind 72 Prozent der Delegierten innerhalb der letzten fünf Jahre zum Verband gekommen. Wie kann euch eure neue Kampagne dabei helfen, so viele Genossinnen und Genossen in anleitende Funktionen zu bringen?

Lena Kreymann: In der Kampagne, aber auch der Handlungsorientierung legen wir einen viel größeren Schwerpunkt auf die Anleitungsarbeit als früher. Es sollen alle Ebenen – Bundesvorstand, Landesvorstände und Gruppenleitungen – in die Lage versetzt werden, genau das zu tun. Dazu haben wir uns bestimmte Instrumente überlegt.
Es wird einen Kampagnenordner geben, der aber nicht einfach so in den Verband gegeben wird, damit er in der Schublade landet, sondern real mit den Verantwortlichen durchgesprochen und durchgearbeitet werden soll.
Wir haben uns in der vergangenen Legislaturperiode intensiv damit aus­einandergesetzt, was wir uns von Anleitungsarbeit erwarten und haben wollen. Es geht nicht darum, jemandem Beschlüsse vorzuerzählen, sondern mit den Genossinnen und Genossen vor Ort darum zu ringen und zu diskutieren, wie die Ausgestaltung von Beschlüssen aussehen kann. Dazu haben wir im Unterschied zu vergangenen Legislaturperioden unsere Beschlüsse in eine Form gefasst, die diese Ausgestaltung besser ermöglicht. Wir sind mit der Handlungsorientierung, aber auch mit der Kampagne weggegangen von einer Art Checkliste, in der sehr konkrete Aufgaben schon beschlossen sind, hin zu den wesentlichen politischen Linien.

UZ: Am 5. Mai feiert ihr den 50. Geburtstag der SDAJ, verbunden mit dem 200. Geburtstag von Karl Marx, in Trier. Was plant ihr zu den weiteren Jahrestagen in diesem Jahr?

Lena Kreymann: Dieses Jahr ist sehr reich an Jahrestagen. Es jährt sich auch der 100. Jahrestag der Novemberrevolution. Wir wollen Veranstaltungen in allen Gruppen durchführen. Wir wollen unsere Interessenvertretungspolitik in Schule und Betrieb mit dem Jahrestag verknüpfen. Die Errungenschaften im Interesse der Arbeiterklasse, die die Novemberrevolution vor 100 Jahren gebracht hat, geben uns da ein breites Spektrum. Wir wollen zum Beispiel mit Gewerkschaftsjugenden diskutieren, gemeinsame Veranstaltungen machen und der Bewertung der Novemberrevolution in der Schule widersprechen, um der antikommunistischen, geschichtsrevisionistischen Hetze etwas entgegenzusetzen.


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Leserbrief zu »Kämpfen, wo wir lernen und arbeiten«, UZ vom 29. März 2018





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