Rebellion ist vielfältig

Frauenarbeitskreis bringt 14 Rebellinnen auf die Bühne
Von Olaf Matthes
|    Ausgabe vom 16. März 2018
 (Foto: Peter Köster)
(Foto: Peter Köster)

Das Licht geht an, die Frau im KZler-Zebra dreht dem Publikum den Rücken zu. Aus dem Off kreischt der Gestapo-Mann seine Fragen: Name, Vorstrafen, Verbrechen gegen den Nazistaat? Ihre Antworten erzählen von der Arbeit einer Kommunistin, die in der legalen und illegalen Arbeiterpresse, in der Partei und anderen Arbeiterorganisationen den Kampf gegen den Faschismus geleitet hat: Helene Overlach, seit 1927 im ZK der KPD verantwortlich für Frauen, zweite Vorsitzende des Roten Frauen- und Mädchenbundes, Reichstagsabgeordnete. Vorbereitung zum Hochverrat, Schutzhaft, KZ Ravensbrück. Das tausendjährige Reich sollte sie um 44 Jahre überleben und als Pädagogin am Aufbau der DDR mitarbeiten.
Am vergangenen Sonntag stellte der Frauenarbeitskreis der DKP Essen vor 250 Gästen in der Zeche Carl „Rebellinnen“ vor, seit Jahren gehört die Revue zum Frauentag zu den größten regelmäßigen Veranstaltungen lokaler DKP-Gliederungen.
In 14 kurzen Szenen und Vorträgen zeigen die Essener Kommunistinnen ganz unterschiedliche Formen, in denen der Kampf um die Befreiung der Frau mit dem Kampf gegen Ausbeutung verwoben ist: Sie zeigen, wie spanische Landarbeiterinnen die Hausarbeit weglegen und zur Verteidigung von Madrid gegen die Faschisten aufbrechen, nachdem sie im Radio die Rede Dolores Ibárruris gehört haben, um die durch die Republik gewonnene Freiheit selbst zu verteidigen. Sie berichten von Phoolan Devi, deren Rache an ihren Vergewaltigern zum Kampf gegen Kastenprivilegien in Indien wird und sie zur angesehenen Banditenführerin macht. Sie lassen Mathilde Anneke auf die Bühne kommen, deren radikale Ansichten zur Frauenbefreiung sie schließlich dazu führen, als „etwas fabelhafte Erscheinung“ in den badischen Aufstand von 1849 zu reiten.
Die Revue zeigte, auf wie vielfältige Weise Frauen zu Rebellinnen werden, wie vielfältig die Tradition ist, in der die Kommunisten stehen – und, auf wie vielfältige Weise sich diese Tradition fortsetzt: Als die SA im Dezember 1933 in Essen Helene Overlach verhaftete, verhaftete sie auch das Paar, das sie versteckt hatte – und, im Bauch der Frau, ihr ungeborenes Kind, das am Sonntag als 84 Jahre altes DKP-Mitglied Walter Hilbig im Publikum saß.


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