Kultursplitter

Von HB
|    Ausgabe vom 9. Februar 2018

Gleiche Gage
„Bezahlt uns endlich wie Männer“. Mit diesem griffigen Satz mischen sich Karoline Herfurth und Suzanne von Borsody in die Diskussion um die Machtverteilung und Ungleichheit in der Filmbranche ein. „Männer sind immer noch mächtiger als Frauen, das muss sich ändern“ sagte Herfurth. Dieses gesamtgesellschaftliche Phänomen schlägt sich auch in der Bezahlung durch und warum sollte dies in dieser speziellen Branche anders sein. In die gleiche Kerbe schlägt auch wenige Tage vor Beginn der Berlinale Festivalleiter Dieter Kosslick und will, dass sich die 68. Ausgabe „offensiv“ mit sexueller Belästigung und Gewalt ausein­andersetzt. Es gehe allerdings um „Diskriminierung insgesamt“, sagte Kosslick. Es wäre zu begrüßen, wenn sich das Festival nicht nur an die „Me too“-Kampagne anhängt, sondern sich dem tatsächlichen Grund nähert, nämlich dem kapitalistischen System, dem Profit alles ist. Miese Bezahlung, prekäre Arbeit, Unterdrückung und sexuell motivierte Gewalt sind Bedingungen der Verhältnisse.
Gute Nachricht
Der lang geplante Bau des Museums des 20. Jahrhunderts in Berlin ist ein Stück näher gerückt. Das Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron habe den Vertrag zum Bau des Museums in Berlin vor einigen Tagen unterzeichnet, sagte ein Sprecher der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Endlich, denn Kunstsammler, die dem Museum ihre Sammlungen überlassen wollen, haben verärgert über die langwierige Planung des Museums geredet. Der Bundestag hatte das Geld für den Bau nach langen Debatten längst bewilligt, der Baubeginn des rund 200 Millionen Euro teuren Museums ist für 2019 geplant, fertig soll es vielleicht Mitte der 20er Jahre sein. Das neue Museum soll zwischen der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe und der Berliner Philharmonie von Hans Scharoun entstehen. Herzog & de Meuron planen dafür ein scheinbar einfaches Backstein-Haus, das man als Lagerhalle, Festzelt oder auch Tempel ansehen kann. Aus der Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts aus dem Bestand der Berliner Nationalgalerie sollen zukünftig Werke vor allem des deutschen Expressionismus, des Kubismus, Surrealismus, aber auch der DDR-Kunst gezeigt werden. Gerade darauf darf man gespannt sein, denn Werke, die summarisch unter „DDR“ bezeichnet werden, sind in vielen Museen der Republik in die Depots weggelagert worden, vielleicht ein positives Signal.
Geplante Korrektur
Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dazu bereit, das Gesetz gegen Hassbotschaften nachzubessern. In ihrem neuesten Video-Podcast reagiert sie auf deutliche Kritik an einem Gesetz, das nicht nur einen spröden Namen hat, sondern auch mit heißer Nadel gestrickt wurde. Es könne sein, „dass wir auch hier Veränderungen vornehmen müssen, aber der Grundansatz, dass wir hier Regelungen brauchen, der ist absolut richtig und notwendig“. Das Internet sei kein rechtsfreier Raum. Durch das neue „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ seien nun auch Plattformbetreiber für die Inhalte verantwortlich, die sie verbreiten, rechtfertigte sie das Gesetz. Um Bußgelder zu vermeiden, werden beanstandete Inhalte aus Unsicherheit auch in Zweifelsfällen gelöscht, wie es zuletzt dem Satiremagazin „Titanic“ passierte. Wer „Beanstandungen“ meint, ist frei von Begründungen und muss sich nicht verantworten. Das neue Gesetz verpflichtet soziale Netzwerke, Hinweisen auf rassistische oder andere strafbare Äußerungen nachzugehen und entsprechende Inhalte rasch zu entfernen. Was „strafbar“ ist, entscheiden nicht mehr Richter, sondern Algorithmen, bestenfalls Mitarbeiter der Firmen. Die Betreiber müssen Posts oder Videos binnen 24 Stunden löschen, wenn sie diese für verboten halten. Werden strafbare Inhalte nach Hinweisen nicht gelöscht, droht ihnen ein Bußgeld von bis zu 50 Millionen Euro. „Niemand hat die Absicht, Zensur auszuüben“, mag man in Abwandlung eines bekanntes Satzes vermuten.


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 9. Februar 2018





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