Um die BRD zu verstehen

Von Rüdiger Deißler, Berlin
|    Ausgabe vom 5. Januar 2018

Die pauschale Verurteilung von H. Böll wird ihm historisch nicht gerecht. Böll war für mich – politisch gesehen – in erster Linie Friedenskämpfer. Unvergessen seine Teilnahme an der Blockade gegen die Stationierung von Atomraketen vor dem Militärstützpunkt in Mutlangen. Der lesenswerte zeitkritische Roman „Haus ohne Hüter“ über ein Großfamilienleben im zerstörten Köln der Nachkriegszeit erschien übrigens zuerst in der DDR.
Unerreicht sind die Romane „Ansichten eines Clowns“ und „Billard um halb zehn“ mit ihrer Kritik an der offiziellen katholischen Kirche und an der Nichtverarbeitung des deutschen Faschismus in breiten Bevölkerungsschichten. Um als DDR-Bürger die alte BRD mit ihrem sogenannten „rheinischen Kapitalismus“ besser zu verstehen, muss man Böll lesen.
In dem niederschmetternden Verriss in der UZ war das einzig interessante Neue, dass seine Frau Annemarie als Lehrerin lange für den Unterhalt der großen Böll-Familie gesorgt hat. Als Fazit kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass H. Becker immer noch sauer ist, dass Böll seinerzeit nicht in die DKP eingetreten ist, um in der Folge von seinem Antikommunismus loszukommen.


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