Sei böse

Christoph Hentschel zum Krieg zwischen Google und Amazon
|    Ausgabe vom 15. Dezember 2017

Die Internetgiganten Google und Amazon streiten sich um das neue Geschäftsfeld „Video-on-Demand-Streaming“. Dabei geht es um kostenpflichtige Angebote, bei denen man Filme aller Art über das Internet ansehen kann, ohne die Filme als Datei herunterzuladen.
Die Auseinandersetzung begann damit, dass der Internethandelriese Amazon die Streaming-Produkte von Google, „Chromecast“ und „Home“, aus seinem Sortiment nahm. So bevorzugt Amazon den eigenen Streaming-Dienst „Amazon Prime“ gegenüber den Konkurrenzprodukten von Google.
Der Suchmaschinenkonzern Google antwortete auf die Offerte von Amazon, indem er das Videoportal „YouTube“ für die Amazon-Endgeräte „Echo Show“ und „Fire TV“ sperren ließ. YouTube befindet sich im Portfolio von Alphabet, dem Mutterkonzern, unter dem Google seine verschiedenen Aktivitäten seit 2015 zusammenfasst.
Seit sich der Gesamtkonzern nicht mehr Google, sondern Alphabet nennt, hat sich auch das Firmenmotto von „Don‘t be evil“ (dt. Sei nicht böse) zu „Do the right thing“ (dt. Mach das Richtige) geändert. Diesen Sloganwechsel kann man für die gesamte Internetbranche als wegweisend sehen. Einst fingen sie als innovative Klitschen mit vielen Ideen und noch mehr Elan an. Heute verlagern sich die Konzerne immer mehr darauf, andere Unternehmen aufzukaufen. Den Anfang machte Google, als es sich 2006 die besagte Videoplattform YouTube einverleibte. Zuletzt kaufte der Social-Media-Anbieter „Facebook“ den Instant-Messaging-Dienst „WhatsApp“ und Apple den Musikerkennungsdienst „Shazam“. Heute gilt es, „das Richtige zu tun“, und das ist im Kapitalismus die Profitmaximierung. Diese geschieht immer seltener durch neue Produkte, sondern durch Übernahmen und das Ausstechen von Konkurrenten.
Wenig ist von den Träumereien der Freaks und Nerds aus dem Silicon Valley geblieben. Sie träumten von der absoluten Freiheit, die die Digitalisierung des Lebens bringen sollte. Freier Zugriff auf Wissen und Technologien sollte die Menschheit aus ihrem Elend befreien. Schon damals wussten die Protagonisten, wie man mit dem Streben nach Freiheit Geld machen konnte. Das war aber für viele nur Mittel zum Zweck. Heute sind aus den Firmengründungen in Garagen und Studentenwohnheimen Monopole geworden, die sich mächtig genug fühlen, für höhere Profite zu immer drastischeren Mitteln zu greifen, Freiheit hin oder her.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Sei böse«, UZ vom 15. Dezember 2017





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.