Grup Yorum soll nicht auftreten dürfen

Fuldaer CDU-Oberbürgermeister unterwirft sich Erdogan
Von UZ
|    Ausgabe vom 16. Juni 2017
Grup Yorum auf dem UZ-Pressefest 2016 (Foto: Shari Deymann)
Grup Yorum auf dem UZ-Pressefest 2016 (Foto: Shari Deymann)

Am 17. Juni veranstaltet der Deutsche Freidenker-Verband (DFV) auf dem Messegelände in Fulda ein Kulturfestival mit internationaler Beteiligung. Neben dem chilenischen Liedermacher Nicolás Miquea und dem Rapper Zynik sowie anderen Musikern ist auch die türkische Grup Yorum angekündigt.
Ende Mai erklärte die Stadt Fulda, den Auftritt der türkischen Gruppe verhindern zu wollen. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) fühlt sich Medienberichten zufolge „getäuscht“, weil in der Anmeldung durch den DFV die Teilnahme von Grup Yorum nicht ausdrücklich angekündigt worden sei.
Wera Richter, Stellvertretende Vorsitzende der DKP, fordert den CDU-Politiker Wingenfeld auf, sich nicht zum Zensor aufzuschwingen: „Seit wann entscheidet die Stadtverwaltung darüber, welche Musiker eingeladen werden dürfen? Fulda folgt mit diesem Vorgehen gegen eine türkische Musikgruppe dem Beispiel des Regimes von Recep Tayyip Erdogan. In der Türkei werden Mitglieder von Grup Yorum verhaftet, in Deutschland werden ihre Auftritte verboten. Das ist ein Skandal.“
Die von der Stadt Fulda als Rechtfertigung für das Konzertverbot herangezogene angebliche Nähe von Grup Yorum zu einer in Deutschland verbotenen Organisation weist Richter zurück: „Grup Yorum ist eine Stimme der linken Opposition in der Türkei – da ist es nur logisch, dass einige ihrer Positionen mit deren politischer Gruppierungen übereinstimmen. Das ist nicht anders als im Fall von Oberbürgermeister Wingenfeld, dessen Haltung in diesem Fall identisch ist mit der Position Erdogans.“ Richter erinnert daran, dass im vergangenen Jahr bereits die Stadt Gladbeck versucht hatte, einen Auftritt von Grup Yorum zu verhindern – der dann jedoch im Rahmen einer Kundgebung durchgesetzt wurde. Im gleichen Jahr trat Grup Yorum zudem beim UZ-Pressefest, dem Volksfest der DKP in Dortmund, auf. „Die Stadt Fulda und ihr Oberbürgermeister sollten sich genau überlegen, ob sie ihren vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem türkischen Staatschef so weit treiben wollen, dass die Menschen gegen die Zensur demonstrieren müssen“, so Richter.
Die DKP fordert die Stadt Fulda auf, das Auftrittsverbot für Grup Yorum zurückzunehmen und ruft dazu auf, das Konzert und den Auftritt von Grup Yorum zu unterstützen.


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