Heimkehr statt Umzug

Werner Sarbok zum Abzug der Bundeswehr aus Incirlik
|    Ausgabe vom 9. Juni 2017

Das Gezerre um den Abzug der Bundeswehr aus dem türkischen Incirlik nimmt mehr und mehr die Ausmaße eines staatenübergreifenden Ochsenfroschkonzerts an. Und verstellt den Blick darauf, was schon lange überfällig ist: Die an unterschiedlichen Kriegseinsätzen beteiligten Bundeswehreinheiten müssen nicht umziehen, sondern zurück in die heimischen Kasernen. Eine Verlegung der deutschen Streitkräfte von Incirlik nach Jordanien wird keinen Frieden schaffen, sondern trägt nur zur weiteren Destabilisierung der Region bei.
Und das wortgewaltige Getöse hat auch andere Grenzen. Gabriel lässt keinen Zweifel aufkommen: Man wolle die Türkei als Bündnispartner halten.
Schließlich verkörpert die Nato die „westliche Wertegemeinschaft“, und die ist dicker als das Blut der Opfer der türkischen Innenpolitik. Der Bürgerkrieg der türkischen Regierung gegen die kurdische Bevölkerung, der Versuch, die fortschrittliche Opposition des Landes als Terroristen zu diffamieren und entsprechend zu bekämpfen, ist nun keineswegs neu und hat allerdings das Blut der schwarz-rot-grün-gelben Bundestagsparlamentarier in den vergangenen Jahren nicht in nennenswerte Wallungen versetzt. Da trifft dann Erdogans Besuchsverbot diese Eliten doch entscheidend härter, da geht es ja schließlich um deren und nicht anderer Leute Rechte. Darum gebärden sie sich entsprechend dünnhäutig.
Eine mehr Frieden versprechende Lösung bleibt ausgeblendet. Das imperialistische Nato-Kriegsbündnis bleibt unangetastet, der Zugriff auf alle Regionen der Welt gesichert. Die Lautsprecher in der Türkei und der Bundesrepublik lassen sich im chauvinistischen Taumel als starke Figuren feiern und werden beifallheischend verkünden, Stärke bewiesen zu haben.
Die Akteure haben wesentlich mehr Gemeinsamkeiten, als das Getrommel vermuten lässt. Und diese Gemeinsamkeiten sind nicht die Interessen der Völker.


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Leserbrief zu »Heimkehr statt Umzug«, UZ vom 9. Juni 2017





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