Kultursplitter

|    Ausgabe vom 9. Juni 2017

Stätten der Weltkultur bedroht
Einen besseren Schutz von Stätten des Weltkultur- und des Weltnaturerbes fordern Nichtregierungsorganisationen, die sich im Verein „World Heritage Watch“ zusammengeschlossen haben. Aus Anlass des Internationalen Welterbetages, der Anfang Juni begangen wird, präsentierte der 2014 gegründete Verein erstmals einen Bericht mit mehr als 30 besonders bedrohten Welterbestätten. Immer mehr der über 1 000 in den Listen der UNESCO eingetragenen Stätten seien durch Klimawandel, bewaffnete Konflikte, Raubbau, Bausünden oder Massentourismus bedroht, der Bericht wirft Regierungen und Behörden vor, zahlreiche Welterbestätten aus politischen oder wirtschaftlichen Interessen nicht ausreichend zu schützen. Ein aktuelles deutsches Beispiel: Die Loreley wird dem Profit geopfert, gemeint sind die weitreichenden Pläne eines Investors: Ein hochwertiges Hotelprojekt (fünf Sterne sollen es schon sein), ein ebenso anspruchsvoller „Kulturpark“ an der Felsspitze mit einer vernünftigen Infrastruktur und die Freilichtbühne, die ebenfalls umgestaltet und damit für die Zukunft fit gemacht werden soll. Die UNESCO habe bei der Menge der Welterbestätten nicht ausreichend Kapazitäten, um sie wirksam zu schützen. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen sei auf die aktive Beteiligung der Menschen vor Ort angewiesen. Der Bericht soll den Delegierten des UN-Welterbekomitees vorgelegt werden, die sich in einem Monat in Krakau zu ihrer nächsten Sitzung treffen.

Theaterpreis für Anne Lepper
Seit 1976 gibt es den Mülheimer Dramatikerpreis, ausgezeichnet werden Stücke und nicht Inszenierungen. In diesem Jahr geht der Preis an Anne Lepper. Eine fünfköpfige Jury wählte die aus Essen stammende Autorin in öffentlicher Debatte, auch dies eine Besonderheit, für ihr Stück „Mädchen in Not“ aus. Das Stück handelt von einer jungen Frau, die genug hat vom Patriarchat und ihr Leben mit einer männlichen Sexpuppe verbringen will. Die 1978 geborene Lepper ist nach Ansicht der Jury „eine wirkliche Entdeckung“, was ein wenig zu dick aufgetragen wirkt, denn mittlerweile hat die Autorin sieben Theaterstücke verfasst, die aufgeführt und zumindest Beachtung, auch Auszeichnungen erfuhren. Die Jury begründet ihre Entscheidung, „ es sei die komische und zugleich abgründige Geschichte einer versuchten Emanzipation in einer comic- und zwanghaften Welt“. Die Kritik ging nach der Uraufführung 2016 in Mannheim nicht sehr gnädig mit dem Stück um, es war die Rede von „literarischem Magerquark“ und dem „draufgesattelten Themenstrang von der Bürgerwut gegen Überfremdung“. Diese Pflichtübung der Theater-Gutmenschen nerve und helfe keinem Flüchtling. Der mit 15 000 Euro dotierte Mülheimer Dramatikerpreis ist eine der meistbegehrten Theaterauszeichnungen im deutschsprachigen Raum und wird am 18. Juni verliehen.

Wippende Einheit
Einen Tag nach der Entscheidung des Bundestags zum sogenannten „Einheitsdenkmal“ sagte die Kulturstaatsministerin Monika Grütters, sie sei froh, dass es jetzt Klarheit“ gebe „und die Hängepartie ein Ende“ habe. So umstritten einzelne Aspekte dieses Denkmals sind, so breit ist doch der gesellschaftliche Konsens, der friedlichen Revolution von 1989 als solcher angemessen öffentlich zu gedenken“, sagte Grütters der Deutschen Presse Agentur. Um das Einheitsdenkmal hatte es wegen der Finanzierung jahrelang Streit gegeben, zuletzt hatte der Haushaltsausschuss das Projekt blockiert. Der Bundestag hat die Mittel nun freigegeben. Das Denkmal in Form einer Wippe soll vor dem rekonstruierten Berliner Stadtschloss errichtet werden. Unterschlagen wird der breite Protest von Künstlern, Wissenschaftlern und Bürgern gegen die inhaltliche und formale Gestaltung als spielerischer Freizeitspaß, ein bisschen locker und albern, wäre da nicht diese überdimensionierte Schrift: Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.Herbert Becker


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 9. Juni 2017





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