Für eine atomwaffenfreie Zone

Uli Brockmeyer zur Kriegsgefahr in Korea
|    Ausgabe vom 19. Mai 2017

Alle Welt zeigt sich empört – also zumindest diejenigen Politiker und Medien, deren Meinungen in den westlichen Nachrichtenagenturen gehört und von ihnen weiterverbreitet werden. Da hat es doch dieser Staat im Norden der Koreanischen Halbinsel wieder einmal gewagt, eine Rakete zu testen. Damit ist der Frieden in der Welt auf das Allerhöchste gefährdet! Der Chef im Weißen Haus verlangt sofort neue Sanktionen. Die Reihe der Empörten ließe sich fortsetzen, von Japan bis hin zur EU, und natürlich zur NATO. Aber womit wird eigentlich dieses Nordkorea zu einer derartig großen Gefahr für den Frieden der Welt?
Die Koreanische Demokratische Volksrepublik ist nicht dafür bekannt, in andere Länder einzumarschieren mit dem Ziel, dort den jeweiligen Staatschef abzusetzen oder gar zu ermorden, und dann ein zerstörtes und unregierbares Land zu hinterlassen. Es war auch nicht Nordkorea, das mal einfach so 59 Tomahawk-Raketen starten lässt, um in Syrien einen Militärstützpunkt zu zerstören und Menschen umzubringen. Es ist nicht die Marine der KDVR, die vor den Küsten des Südens drohend mit Flugzeugträgern, Zerstörern und U-Booten kreuzt. Es gibt auch keine Berichte darüber, dass die nordkoreanische Armee beinahe pausenlos in Richtung zur Grenze Manöver zu Lande und in der Luft durchführt, wie es im Süden der Fall ist.
Tatsächlich ist das Herumexperimentieren mit Atomwaffen und mit Trägern solcher Waffen gefährlich und nicht akzeptabel. Die Frage ist, warum das nur im Falle Nordkoreas als Gefahr für den Frieden dargestellt wird, und nicht zum Beispiel im Falle Israels, Pakistans, Indiens – oder auch Frankreichs, Russlands, Chinas, Britanniens und der USA. Eigentlich sollte es sich längst herumgesprochen haben, dass mehr Waffen niemals mehr Sicherheit bedeutet. Die Lösung der dringendsten Probleme der Welt kann nur in allgemeiner Abrüstung bestehen. Im Falle Koreas wäre der erste Schritt die vertragliche Festlegung einer atomwaffenfreien Zone auf der Koreanischen Halbinsel, was auch den Abzug der Atomwaffen der USA aus Südkorea einschlösse.


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Leserbrief zu »Für eine atomwaffenfreie Zone«, UZ vom 19. Mai 2017





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