Kapitalismus

Bewirkte Wirkungen

Zur Geschichte der „Kapital“-Rezeption seit 1867
Georg Fülberth
Ausgabe vom 21. Juli 2017
Karl Marx 1867 (Foto: Foto: Friedrich Karl Wunder/ wikimedia.org/ gemeinfrei – public domain)

Karl Marx 1867 (Foto: Foto: Friedrich Karl Wunder/ wikimedia.org/ gemeinfrei – public domain)

Wer behauptet, „Das …

Von der Ruhrlade zum Verfassungsschutz

Kapitalismuskritik wird kriminalisiert 
Ulrich Sander
Ausgabe vom 27. Januar 2017

Bis 1989 war der Kapitalismus kein Begriff, mit dem sich die Bundesrepublik zieren mochte. Nach den Erfahrungen mit dem Faschismus als einem der möglichen Resultate kapitalistischer Entwicklung wandten die Wortführer der vorherrschenden …

Konzentration und Zentralisation des Kapitals

Aus dem Editorial der Zeitschrift Z.
Ausgabe vom 2. Dezember 2016

Im Editorial der neuen Ausgabe der Zeitschrift Z. – Zeitschrift marxistische Erneuerung wird der Schwerpunkt wie folgt vorgestellt: „Das ‚postdemokratische Zeitalter‘ ist gekennzeichnet durch die ‚Dominanz riesiger Unternehmen, welche … …

Historische Migrationsbewegungen

Ursprüngliche Akkumulation und industrielle Reservearmee
Klaus Stein
Ausgabe vom 9. September 2016
Deutsche Auswanderer auf dem Weg in die USA auf dem Schiff „Samuel Hop“ (geschönt, Zeichnung), 1850 (Foto: Bundesarchiv, Bild 137-041316 / CC-BY-SA 3.0)

Deutsche Auswanderer auf dem Weg in die USA auf dem Schiff „Samuel Hop“ (geschönt, Zeichnung), 1850 (Foto: Bundesarchiv, Bild 137-041316 / CC-BY-SA 3.0)

Die Vereinten Nationen schätzen die aktuelle Zahl der Menschen, die in einem anderen Land als dem ihrer Geburt leben, auf 244 Millionen. Die Internationale Organisation für Migration geht sogar von mehr als 250 Millionen internationaler …

Interview

„Lenin ist alles andere als ein toter Hund“

Zur kritischen Neuausgabe von Lenins Werk „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“
Markus Bernhardt
Ausgabe vom 1. Juli 2016
Dr. Volker Külow ist Historiker und Publizist aus Leipzig. Er ist freiberuflicher Berater für Kommunikation und war Mitglied des Sächsischen Landtages für die Partei „Die Linke“

Dr. Volker Külow ist Historiker und Publizist aus Leipzig. Er ist freiberuflicher Berater für Kommunikation und war Mitglied des Sächsischen Landtages für die Partei „Die Linke“

UZ : Zusammen mit Wladislaw Hedeler haben Sie eine kritische Neuausgabe von Lenins berühmter Analyse „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ veröffentlicht. Was waren Ihre Beweggründe für diese Arbeit? …

„Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“

Zum Verhältnis von Friedenskampf und Kampf um Sozialismus (Teil II)
Hermann Kopp
Ausgabe vom 27. Mai 2016
Jean Jaurès (Foto: public domain)

Jean Jaurès (Foto: public domain)

Große Teile der Arbeiterbewegung standen aber damals bürgerlichen Friedenskräften noch lange distanziert gegenüber. Auch und gerade galt das für viele aus ihrem revolutionären Flügel. Arbeiterbewegung und bürgerliche Friedenskräfte …

„Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich 
wie die Wolke den Regen“

Zum Verhältnis von Friedenskampf und Kampf um Sozialismus (Teil I)
Hermann Kopp
Ausgabe vom 20. Mai 2016
Eine britische Mörsereinheit im Juni 1915 bei Gallipoli: Der 1. Weltkrieg wurde, wie von Friedrich Engels bereits 1887 vorausgesagt, zu einem „Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit …“ (Foto: Ernest Brooks / wikimedia.com / gemeinfrei)

Eine britische Mörsereinheit im Juni 1915 bei Gallipoli: Der 1. Weltkrieg wurde, wie von Friedrich Engels bereits 1887 vorausgesagt, zu einem „Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit …“ (Foto: Ernest Brooks / wikimedia.com / gemeinfrei)

„Immer trägt eure gewalttätige und chaotische Gesellschaft – selbst wenn sie Frieden will, selbst wenn sie scheinbar in Ruhe ist – in sich den Krieg; sie trägt ihn in sich wie eine schwarze, noch ruhige Wolke das Gewitter.“ Das rief der damals 35-jährige Sozialist Jean Jaurès 1895 im französischen Parlament den bürgerlichen Abgeordneten zu, und fügte hinzu: „Es gibt nur ein Mittel, den Krieg zwischen den Völkern abzuschaffen, nämlich Schluss zu machen mit dem ökonomischen Krieg, mit der Unordnung der heutigen Gesellschaft, nämlich den allgemeinen Kampf ums Leben – der in den allgemeinen Kampf auf den Schlachtfeldern mündet – durch eine Ordnung der sozialen Eintracht und der Einheit zu ersetzen.“ In Deutschland haben Jaurès’ Worte in einer nicht ganz korrekten, aber doch sinngemäßen Übersetzung in letzter Zeit wieder Karriere gemacht: „Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen.“ Jaurès fiel bekanntlich am Abend des 31. Juli 1914 – wenige Tage, nein nur Stunden vor Beginn des 1. Weltkriegs – dem Attentat eines französischen Chauvinisten zum Opfer. Sein Mörder, ein gewisser Villain, kam zwar in Untersuchungshaft, wurde aber nach Kriegsende von einem Geschworenengericht freigesprochen – Jaurès’ Witwe musste sogar die Prozesskosten tragen. Doch dies nur am Rande. Sozialisten gegen den Krieg … Dass die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft den Krieg in sich trägt, kriegsträchtig ist, und dass nicht zuletzt deshalb alles daran gesetzt werden muss, sie zu überwinden – diese Einsicht war proklamiertes Gemeingut unter den Sozialisten der 2. Internationale. Sie prägte die Antikriegs-Beschlüsse der internationalen Sozialistenkongresse von Stuttgart (1907), von Kopenhagen (1910) – und schließlich des außerordentliche Internationalen Sozialistenkongresses von Basel, der Ende November 1912 stattfand und ausschließlich der drohenden Weltkriegsgefahr gewidmet war. Das dort einmütig verabschiedete „Manifest über die Kriegsgefahr und die Aufgaben des internationalen Proletariats“ trug kein Geringerer vor als Jean Jaurès. Das Manifest von Basel machte es der internationalen Arbeiterbewegung zur Aufgabe, den drohenden Krieg zu verhindern; falls das nicht möglich wäre, „für dessen rasche Beendigung einzutreten“ und die dabei entstehende politische Krise zu nutzen, um „die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft zu beschleunigen“. „Die großen Völker Europas“, hieß es in dem Manifest u. a., „sind beständig auf dem Punkte, gegeneinander getrieben zu werden, ohne dass diese Attentate gegen Menschlichkeit und Vernunft auch nur durch den geringsten Vorwand eines Volksinteresses gerechtfertigt werden könnten … Darum stellt der Kongress mit Genugtuung fest die vollständige Einmütigkeit der sozialistischen Parteien und der Gewerkschaften aller Länder im Kriege gegen den Krieg.“ Mit dieser „vollständigen Einmütigkeit“ war es bekanntlich zu Beginn des großen Krieges vorbei. Fast alle Parteien der 2. Internationale in den kriegführenden Ländern – allen voran die weitaus größte und angesehenste, die deutsche Sozialdemokratie – schlossen, unter eklatantem Bruch mit den von ihnen mitgefassten Beschlüssen der Sozialistenkongresse, „Burgfrieden“ mit ihren herrschenden Klassen, plädierten für die „Vaterlandsverteidigung“ und stimmten für die Kriegskredite. Und das Leitungsgremium der Internationale, das Internationale Sozialistischen Büro (ISB) – es war in Brüssel ansässig und emigrierte nach dem deutschen Einfall ins neutrale Belgien in die Niederlande – erwies sich als unfähig und unwillig, diesem Bruch etwas entgegenzusetzen. Deshalb begannen die Kräfte – die Parteien und Gruppen –, die an den bisherigen internationalistischen Positionen festhalten wollten, sich unabhängig von der jetzt sozialchauvinistischen Mehrheit der 2. Internationale zu organisieren. Umstritten blieb freilich auch noch in Kiental (vom 25. bis 30. April 1916 fand im „Hotel Bären“ in Kiental die Zweite Konferenz der Internationalen Sozialisten statt, an der u. a. Lenin, Sinowjew, Robert Grimm und Angelica Balabanova teilnahmen. Vom 5. bis 8. September 1915 hatte im schweizerischen Zimmerwald die erste Konferenz stattgefunden), welche Konsequenzen aus dem Verrat an den gemeinsam beschlossenen Grundsätzen zu ziehen sind. Das betraf zum einen das Verhältnis zu den Kräften, die damit den Frieden mit den herrschenden Klassen auf ihre Fahnen geschrieben hatten, und es betraf zum andern, damit eng zusammenhängend, die Orientierung im Friedenskampf. In beiden Fragen kam es in Kiental zu einem Kompromiss, der sich widerspiegelte in der Resolution zur Friedensfrage und der Resolution „Das ISB und der Krieg“, in der die Positionen des ISB, des im Jahr 1900 gegründeten Internationalen Sozialistischen Büros, einer scharfen Kritik unterzogen wurden. Beide Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Und in beiden sahen auch die Bolschewiki einen Fortschritt gegenüber den Positionen von Zimmerwald. Dauerhafter Frieden In der Resolution zur Friedensfrage von Kiental ist mehrmals von „einem dauerhaften Frieden“ die Rede. „Gibt es auf dem Boden der kapitalistischen Gesellschaft keine Möglichkeit, einen dauerhaften Frieden herzustellen“, liest man dort, „so werden dessen Voraussetzungen durch den Sozialismus geschaffen. Der Sozialismus, der das kapitalistische Privateigentum aufhebt, beseitigt mit der Ausbeutung durch die besitzenden Klassen und mit der nationalen Unterdrückung zugleich die Kriegsursachen. Der Kampf für den dauerhaften Frieden kann nur im Kampf für die Verwirklichung des Sozialismus bestehen.“ Das war, wohlgemerkt, nicht nur die Position der Bolschewiki und der Zimmerwalder Linken, sondern eine, die von allen mitgetragen wurde, die an der Konferenz von Kiental teilnahmen. Und es ist eine Position, die sich bereits im Kommunistischen Manifest findet. Dort heißt es: „Mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander.“ Dies ist die einzige, jedoch gewichtige Äußerung zum Problem von Krieg und Frieden in diesem grundlegenden Dokument der revolutionären Arbeiterbewegung. Mit einer anderen Frage aber hat sich die Arbeiterbewegung in ihrer Formierungsphase, haben sich auch Marx und Engels bis in die 1880er Jahre hinein praktisch nie befasst: nämlich mit der, ob und wie denn die Verhütung von Krieg noch vor der Überwindung der Klassengesellschaft möglich wäre. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Arbeiterbewegung jener Zeit von einer Voraussetzung ausging, die auch von anderen gesellschaftlichen Kräften nicht hinterfragt wurde: Das Führen von Kriegen galt als selbstverständliches „Recht“ souveräner Staaten. Das ius ad bellum, das Recht zum Krieg, war Bestandteil des damals geltenden Völkerrechts; es wurde seit dem Westfälischen Frieden 1648 von den souveränen Staaten in Anspruch genommen – ganz unabhängig von ihrer jeweiligen Staatsform und ihrem Regime. Deshalb wurde auch die Existenzberechtigung bewaffneter Streitkräfte nie in Frage gestellt. Nicht die Abschaffung des Militärs, sondern seine Demokratisierung, seine Umwandlung in ein Volksheer forderten alle drei Parteiprogramme der deutschen Sozialdemokratie – das Eisenacher Programm 1869, das Gothaer Programm 1875 und das Erfurter Programm 1891. „Die Möglichkeit des Friedens“, schreibt der Dresdener Militärhistoriker und Friedensforscher Wolfgang Scheler, „sowie stattfindende und mögliche Kriege wurden [zunächst auch von Marx und Engels] vor allem danach bewertet, in welchem Verhältnis sie zur Formierung einer revolutionären, selbstbewussten Klasse und ihrer politischen Machtergreifung durch Insurrektion standen. Analysiert wurden die Auswirkungen, die die von den alten Mächten erzeugten Kriege hierauf hatten, günstige oder ungünstige.“ Kriegsverhütung als Kampfaufgabe Friedrich Engels Ein anderes, ein neues Herangehen der Arbeiterbewegung an die Fragen von Krieg und Frieden erforderten dann freilich die Entwicklungen, die den Übergang des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium begleiteten. Als einer der ersten begriff das Friedrich Engels. Engels war über jeden Verdacht erhaben, ein Hasenfuß oder ein allem Militärischen abholdes „Weichei“ zu sein. Er hatte als damals 27-Jähriger den bewaffneten Widerstand in Elberfeld während der 1848er-Revolution organisiert, er war ein aktiver Kämpfer in deren letzter Phase, beim Aufstand in Baden, er war der Autor von über 400 längeren und kürzeren Arbeiten zu Militärfragen. Die trugen ihm nicht nur im Freundeskreis den Spitznamen „General“ ein, den die Marx-Tochter Jenny geprägt hatte, sondern stießen auch bei höchst konservativen preußischen Militärs auf großes Interesse. Doch in Engels’ Beschäftigung mit militärischen Problemen ist eine deutliche Akzentverschiebung festzustellen. Das Interesse des jungen Engels galt vor allem Fragen der Kriegsplanung und Kriegführung. – 1851 nannte er „[d]ie enorme Wichtigkeit, die die partie militaire [die militärische Seite] bei der nächsten Bewegung bekommen muss“, neben „eine[r] alte[n] Inklination“ als einen der Gründe, die ihn veranlassten, „Militaria zu ochsen“, wie er in einem Brief an seinen Freund Weydemeyer schrieb (der war Leutnant in der preußischen Armee gewesen). Einer Frage, die ihn zuvor nur ganz gelegentlich beschäftigt hatte – z. B. in seinem Aufsatz „Po und Rhein“ von 1859 –, galt jedoch seit den 1880er Jahren immer mehr seine Aufmerksamkeit: dem Problem der Kriegsverhütung. Grund dafür war vor allem die Befürchtung, dass das Wettrüsten die Gefahr eines großen Krieges, und dass die militärtechnischen Fortschritte das Gefahrenpotential eines Krieges ungeheuer erhöhen würden. Engels’ Vorstellungen von einer sozialistischen Revolution hatten sich lange, nicht anders als die von Marx, an der „klassischen“ französischen Revolution von 1789 - 94 orientiert; jetzt sah er, dass diese „Fortschritte“ überdies eine neue revolutionäre Taktik erfordern würden. 1892 schrieb er an Paul Lafargue, den Schwiegersohn von Karl Marx: „Die Zeitungsberichte über die entsetzliche Wirkung der neuen Sprenggeschosse in Dahomey [das ist das heutige Benin – Frankreich führte dort einen kolonialen Eroberungskrieg – der Autor] werden Sie gelesen haben. Ein junger Wiener Arzt … hat die Verwundungen gesehen, die die österreichischen Sprenggeschosse bei dem Streik von Nürmitz angerichtet haben, er sagt uns dasselbe. Natürlich wollen die Menschen, die sich der Gefahr aussetzen, auf diese Weise in Stücke gerissen zu werden, wissen, warum. Das ist ausgezeichnet, um den Frieden zu erhalten und auch um die sogenannten revolutionären Anwandlungen im Zaum zu halten, auf deren Explodieren unsere Regierenden nur warten. Die Ära der Barrikaden und Straßenschlachten ist für immer vorüber; wenn sich die Truppe schlägt [d. h. mit den neuen, weit gefährlicheren Waffen schlägt – der Autor], wird der Widerstand Wahnsinn. Also ist man verpflichtet, eine neue revolutionäre Taktik zu finden. Ich habe seit einiger Zeit darüber nachgedacht, bin aber noch zu keinem Ergebnis gekommen.“ Und schon fünf Jahre zuvor, Ende 1887, hatte er jene bekannten, prophetisch anmutenden Sätze formuliert: „Und endlich ist kein andrer Krieg für Preußen-Deutschland mehr möglich als ein Weltkrieg, und zwar ein Weltkrieg von einer bisher nie geahnten Ausdehnung und Heftigkeit. Acht bis zehn Millionen Soldaten werden sich untereinander abwürgen und dabei ganz Europa so kahlfressen, wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs zusammengedrängt in drei bis vier Jahre und über den ganzen Kontinent verbreitet; Hungersnot, Seuchen, allgemeine, durch akute Not hervorgerufene Verwilderung der Heere wie der Volksmassen; rettungslose Verwirrung unsres künstlichen Getriebs in Handel, Industrie und Kredit, endend im allgemeinen Bankerott; Zusammenbruch der alten Staaten und ihrer traditionellen Staatsweisheit, derart, dass die Kronen zu Dutzenden über das Straßenpflaster rollen und niemand sich findet, der sie aufhebt; absolute Unmöglichkeit, vorherzusehn, wie das alles enden und wer als Sieger aus dem Kampf hervorgehen wird; nur ein Resultat absolut sicher: die allgemeine Erschöpfung und die Herstellung der Bedingungen des schließlichen Siegs der Arbeiterklasse. – Das ist die Aussicht, wenn das auf die Spitze getriebene System der gegenseitigen Überbietung in Kriegsrüstungen endlich seine unvermeidlichen Früchte trägt.“ Angesichts solch gespenstischer, aber, wie sich zeigen sollte, sehr realistischer Perspektiven bekommt die Frage der Kriegsverhütung ein viel höheres Gewicht. Und erfordert damit auch, das möchte ich besonders betonen, die Zusammenarbeit mit Friedenskräften, die der Arbeiterbewegung sozial recht fern stehen. Und die mit „Sozialismus“ erst mal gar nichts am Hut haben. Aus dieser Einsicht heraus hatte z. B. das sozialdemokratische Zen­tralorgan „Vorwärts“, in dem Anfang 1893 Engels’ realpolitische Schrift „Kann Europa abrüsten?“ erschien, schon kurz zuvor auch den Roman „Die Waffen nieder!“ der adligen Friedensaktivistin Bertha von Suttner in Fortsetzungen veröffentlicht. Und offenbar auch aus dieser Einsicht heraus stellte der Basler Stadtpfarrer 1912 das dortige Münster für den Friedenskongress der Sozialisten zur Verfügung! Nebenbei: Louis Aragon schildert das eindrücklich in seinem Roman „Die Glocken von Basel“.   Teil II und Ende in der UZ vom 27. 5.

Eine Denkhilfe

„Faschismus-Diagnosen“ von Kurt Pätzold
Jonny Michel
Ausgabe vom 13. Mai 2016

Wer sich mit der Entstehung des historischen Faschismus, dessen Entwicklung und den Umständen, die dazu führten, befasst, der kommt nicht am international renommierten Historiker Kurt Pätzold vorbei. In zahlreichen Publikationen stellte …

Schöne deformierte Arbeitswelt

Versuch eines lesenden Arbeiters, vor lauter digitalen Bäumen den Wald nicht aus dem Auge zu verlieren
Lothar Geisler
Ausgabe vom 29. April 2016

Eins. Vernetzt in die Zukunft Da kann einem schon der Kopf brummen, bei all dem, was sich da an rasanten Umbrüchen zukünftig auch in der Produzentenwelt „entlang der Wertschöpfungskette“[1] abzeichnet: Cyber-physische Systeme (CPS), …

Griechenland, die EU und die Linke / Kapitalismusanalysen

Aus dem Editorial von Z. – Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 104
Ausgabe vom 18. Dezember 2015

Die gegenwärtige politische Diskussion wird nach wie vor fast vollständig von den Krisenprozessen in und um die EU beherrscht. Für die marxistische Linke bleibt die Aufarbeitung der „griechischen Erfahrung“ zentral; damit befassen sich …