Der rote Kanal

|    Ausgabe vom 5. Mai 2017

Drei Schwestern
Selten genug im TV: Ein Theaterstück. Das Basler Schauspiel wurde eingeladen zum renommierten Berliner Theatertreffen, zu sehen ist in der Regie von Simon Stone ein Klassiker des 19. Jahrhunderts, Anton Tschechows „Drei Schwestern“. Auch wenn Stone das Stück durch den Schnellschleudergang jagt, bleibt er ein kluger Umwandler des manchmal etwas biederen, gefühligen Textes. Ein Kritiker meinte „ Einmal mehr kapiert man, warum Simon Stone derzeit ein so begehrter Theatermacher ist. Er sei „mit so viel Herzblut am Werk, dass er das Beste aus dem herausholt, was man Schauspieler-Theater nennt.“ Sehenswert.
Sa, 6.5., 20.15 Uhr, 3sat

Polizeiruf 110 „Nachtdienst“
Matthias Brandt in seinem 13. Fall als Münchener Kommissar von Meuffels. In einem Altenheim liegt ein Toter, die Pflegekräfte – überfordert und gestresst - zeigen sich wenig kooperativ, die Alten und Kranken verwirrt oder bereits dement. Eine lange Nacht für den Ermittler, Matthias Brandt spielt wie immer in dieser Rolle sehr geduldig, aufmerksam und mit geringer Empathie. Er, mittlerweile von einem vertuschten Mord überzeugt, will diese Nacht nutzen, um das Personal sowie die untergebrachten Senioren im „Johannishof“ zu vernehmen. Von den Kollegen kann er keine Unterstützung mehr erwarten, die halten sein nächtliches Engagement für blanken Irrsinn. Fast ein Kammerspiel, und dass die gesellschaftliche Katastrophe des Umgangs mit alten Menschen auch in krimineller Energie mündet, wirkt in diesem Film einmal nicht aufgesetzt.
So, 7.5., 20.15 Uhr, ARD

Die Abenteuer des Werner Holt
Spät am Abend, aber immerhin der einzige Sendeplatz, der den „Tag der Befreiung“ überhaupt zur Kenntnis nimmt. Dieter Noll schrieb den Roman 1963, die DEFA verfilmte in der Regie von Joachim Kunert 1964. Es sind die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges: Während der junge Soldat Werner Holt im Unterstand verzweifelt versucht, Funkverbindungen zu anderen Einheiten herzustellen, wird in Rückblenden sein bisheriges Leben gezeigt. Die Kindheit und Jugend unter dem Hakenkreuz, schließlich die erschütternden Erfahrungen im Krieg, als er in der Slowakei zur Niederschlagung eines Partisanenaufstandes eingesetzt und dabei Zeuge unbeschreiblicher SS-Grausamkeiten wird.
Werner Holt ist durch diese Jahre ein anderer geworden. Als er schließlich mit den Resten seiner Einheit in einem kleinen Ort liegt und nur noch einer, nämlich sein Vorgesetzter, für den Endsieg kämpft, handelt Holt nach seinen neuen Einsichten. In einer dramatischen Aktion entwaffnet er den Offizier und schießt auf die eingreifende SS-Mannschaft. Ernüchtert und erschöpft tritt Holt den Weg in die Gefangenschaft an.
Mo, 8.5., 23.05 Uhr, MDR

Konzerne als Retter?
Die 80-minütige Dokumentation analysiert die politischen Hintergründe öffentlich-privater Partnerschaften in der so genannten „Entwicklungszusammenarbeit“. Die beiden Journalisten und Filmemacher Caroline Nokel und Valentin Thurn fragen nach Konsequenzen dieser Politik, zeigen den Missbrauch staatlicher Entwicklungsgelder durch die Industrie auf und machen dadurch auf  den Grundkonflikt zwischen industrieller und kleinbäuerlicher Landwirtschaft aufmerksam. Ist es überhaupt möglich, eine Win-win-Situation für Kleinbauern und Unternehmer herzustellen? Und wenn ja: Wie muss die Zusammenarbeit von privaten Investoren und Staat aussehen, damit die lokale Bevölkerung auch wirklich von ihr profitiert? Sieben unterschiedliche Modelle werden analysiert und kritisch befragt.
Di, 9.5., 20.15 Uhr, Arte


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Leserbrief zu »Der rote Kanal«, UZ vom 5. Mai 2017





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