Feministinnengipfel

Melina Deymann über ein Damentreffen
|    Ausgabe vom 5. Mai 2017

Alle sind sich einig, alle sind Feministinnen: Christine Lagarde, die Chefin des IWF, Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin der Trumpf-Gruppe, die mit Werkzeugmaschinen Millionen macht. Auch Ivanka Trump, von Beruf Tochter, findet sich ziemlich feministisch. Bei der Frauenkonferenz der G20 kam Ende April in Berlin die Speerspitze des Kampfes für Gleichberechtigung zusammen. Nur Angela Merkel meldet sich nicht, als gefragt wird, wer auf dem Podium Feministin sei: Sie wolle sich „nicht mit fremden Federn schmücken“.
Die bürgerliche Presse interessiert sich vor allem dafür, wie Ivanka Trump ihren Vater verteidigen würde. Ihr Vater habe sie immer unterstützt, in der Personalabteilung des Weißen Hauses würden viele kluge Frauen arbeiten – also ist der oberste Pussygrabscher doch auch für Gleichberechtigung.
Was die weiblichen Konzernvertreter besprachen, kann von den meisten Frauen getrost ignoriert werden. Was die Bourgeoisie mit ihren Frauen macht, muss uns nicht interessieren. Das andere Thema hatte da schon mehr Potenzial. Warum gibt es weltweit nur wenige Frauen, die (Kleinst-)Unternehmen gründen? Liegt es am mangelnden Zugang zu Bildung für Frauen? Oder liegt es daran, dass Frauen in vielen Staaten der Erde nicht das Recht haben, eine Schule zu besuchen oder einen Beruf auszuüben, geschweige denn ein Unternehmen zu gründen?
Königin Máxima der Niederlande kennt die Antwort: Frauen fehlt Geld, Zugang zu digitaler Bildung, oft haben sie noch nicht mal ein Smartphone. Angela Merkel möchte zwar nicht gleich Smartphones an alle Frauen der Welt verteilen, aber einen Fonds gründen, der Frauen Mikrokredite zur Unternehmensgründung gibt. Sie erklärt, warum sich das besonders lohnt: Frauen würden das geliehene Geld im Durchschnitt häufiger zurückzahlen. Und Lagarde weiß, warum Frauenrechte den Einsatz wert sind: Das Wirtschaftswachstum der USA könnte um 5 Prozent steigen, wenn Frauen komplett gleichberechtigt wären, in Indien könnten es sogar 23 Prozent sein.
Als die royale Máxima zum Schluss noch verkündet, jede/r der/die für die Gleichberechtigung der Frau sei, sei Feminist/in, war auch die Einheit auf dem Podium wieder hergestellt, denn Angela konnte feststellen: „Na, dann bin ich‘s ja auch.“ Alles ist gut.


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Leserbrief zu »Feministinnengipfel«, UZ vom 5. Mai 2017





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