Unsere Stimme ist nötig

Nina Hager zum „March for science“
|    Ausgabe vom 5. Mai 2017

Im Internet nimmt die Zahl jener Seiten zu, auf denen „alternative Fakten“ präsentiert werden. In den USA leugnet der Präsident den Klimawandel, wie hierzulande die AfD. Dort ist die finanzielle Förderung einiger Wissenschaftsbereiche bedroht, werden wissenschaftliche Daten gelöscht.“Alternativen“ zur Evolutionstheorie, kreationistische Behauptungen gelten in diesem Land ja schon lange als „hoffähig“. Dabei wird Entwicklungsdenken insgesamt für obsolet erklärt. Das dient als Begründung, um die Veränderbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse zu leugnen und jeden anzugreifen, der dazu steht.
„Wir brauchen Denker, keine Leugner“, „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ – mit solchen und ähnlichen Losungen gingen weltweit am 22. April Hunderttausende auf die Straße. Der „March for Science“, an dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende und auch Sympathisanten beteiligten, war eine Aktion gegen Wissenschaftsfeindlichkeit und „alternative Fakten“, zugleich aber mehr als ein „bloßes“ Bekenntnis zur „Freiheit wissenschaftlicher Forschung“.
Der Hauptredner in Berlin, der Physiker und TV-Kommentator Ranga Yogeshwar, hatte in einem Interview auf „heise online“ erklärt, wir bräuchten eine Wissenschaft, „die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und Erkenntnis paart mit einem gesellschaftlichen Dialog. Wissenschaftler sollten sich aktiver zu Wort melden. Die Stimme der Wissenschaft muss in gesellschaftliche Entscheidungen stärker einfließen.“ Der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) erklärte sich solidarisch mit dem Marsch und betonte: „Wir begreifen uns als Teil des Engagements für demokratische Wissenschaft und Wahrhaftigkeit in Gegnerschaft zu den gesellschaftlich rechten Kräften.“
Kritiker bemängeln, dass während der Aktionen viel zu wenig von dieser Verantwortung wahrgenommen wurde, die prekäre Lage vieler Forschungsgebiete oder die bevorzugte Förderung anderer durch große Konzerne kaum zur Sprache kam, wie auch die gravierenden Mängel in der schulischen und universitären Ausbildung, die soziale Spaltung oder die zunehmende Umweltzerstörung durch große Konzerne. Es hätte um mehr gehen können und müssen. Richtig. Aber hier kann etwas neu in Bewegung kommen.
Aufklärung und Verteidigung der Wissenschaft tut Not. Auf einem der Plakate in Frankfurt konnte man lesen: „Dark Energy not dark Ages!“ („Dunkle Energie statt dunkle Zeiten!“) Aufklärung, das ist doch auch unser Thema, das braucht auch unsere Unterstützung sowie – als Anhänger des wissenschaftlichen Sozialismus – unseren aktiven und kritischen Beitrag.


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