Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 28. April 2017

Verdiente Ehrung
Der Heinrich-von-Kleist-Preis, ein bedeutende Auszeichnung für literarisches Schaffen, wird seit 1912 verliehen, besondere Praxis ist, dass nicht eine Jury, sondern ein einzelner Künstler den Preisträger benennt. Für das Jahr 2017 hat Hanns Zischler, den meisten bekannt als Filmschauspieler, den Schriftsteller Ralf Rothmann gekürt.

Der 63-jährige Rothmann begann als Maurer, arbeitete als Fahrer, Koch, Drucker und Krankenpfleger, bevor er sich der Literatur zuwandte. Seit den 1980er Jahren schreibt der in Berlin lebende Rothmann Gedichte, Erzählungen und Romane, in denen er seine Erfahrungen im Ruhrpott und in der Hauptstadt verarbeitet. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen „Milch und Kohle“ (2000), „Junges Licht“ (2004), „Feuer brennt nicht“ (2009). Zuletzt erschien von Rothmann „Im Frühling sterben“ (2015). Zischler begründet seine Wahl mit den Worten, Rothmanns Literatur sei geprägt von autobiographischen Erfahrungen, sie komme aus der Arbeiterschaft und sei meisterhaft in ihren lakonischen Alltagsschilderungen. Die Bücher von Ralf Rothmann sind fast alle noch als Taschenbücher lieferbar und werden gerne und wärmstens empfohlen.

Crowdfunding
Rund 400 Unterstützer haben binnen vier Tagen insgesamt mehr als 16 000 Euro für Solidaritätsanzeigen in unabhängigen türkischen Medien gespendet, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte zu Spenden aufgerufen. Mit den Anzeigen bekunden die Initiatoren Solidarität mit verfolgten Autoren, Journalisten, Verlagen, Kulturschaffenden sowie Bürgerinnen und Bürgern der Türkei. Die Anzeigen erschienen unter anderem in den Print- bzw. Online-Ausgaben von Agos Weekly, BirGün, Cumhuriyet, Diken.com.tr, Evrensel und Turuncutime.

Mit Unterstützung des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, der International Publishers Association, des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes SBVV, des Writers-in-Prison-Committee of PEN Austria sowie der European and International Booksellers Federation und weiteren Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern wurden die Anzeigen geschaltet.

Dass für eine solche Aktion erst Geld eingesammelt werden musste, ist bei Verbänden wie dem BöV oder dem BDZV und anderen eher beschämend, denn dieser Betrag hätte auch aus den nicht zu knappen Kassen geleistet werden können.

March for Science
Mit Protestmärschen auf der ganzen Welt haben Zehntausende für die Bedeutung der Wissenschaft demonstriert. In Deutschland gab es Protestkundgebungen in 22 Städten, darunter alle wichtige Universitätsstandorte. Weltweit beteiligten sich mehr als 600 Städte an der Aktion. Dem Netz von Aktivisten geht es darum, die Freiheit von Wissenschaft und Forschung zu erhalten. „Die wichtigste Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie sind ihre informierten Bürger. Wenn wissenschaftlich erwiesene Tatsachen geleugnet, relativiert oder ‚alternativen Fakten‘ als gleichberechtigt gegenübergestellt werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen, gefährdet das nicht nur die Existenzberechtigung der Wissenschaft, sondern die Demokratie insgesamt.“ Der „March for Science“ in Deutschland demonstriert daher gegen den Populismus mit seinen Halbwahrheiten und Lügen – und für faktenbasierte Diskussionen als Grundlage einer freien, demokratischen Gesellschaft.

Weit über 1 500 Menschen haben bereits auf der Website des deutschen Netzwerks mit ihrem Namen ihre Unterstützung bekundet. Darunter befinden sich u. a. fünf deutsche Nobelpreisträger, die Präsident/innen der wichtigsten deutschen Wissenschaftsorganisationen, zahlreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kultur. Eine ehrenwerte Gesellschaft, bei der man nur hoffen kann, dass es nicht bei dieser einmaligen Aktion bleibt, dass der akademische Mittelbau und die Studierenden einbezogen werden in die weitere politische Arbeit.


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 28. April 2017





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