Solidarisch Wahlkämpfen

Simone Ehrbrecht zu den Wahlkampfaktivitäten der DKP
|    Ausgabe vom 31. März 2017

Ob der Buchhändler oder die Physikerin einst 18 820 Euro pro Monat als Kanzler oder Kanzlerin verdienen, das ist Zukunftsmusik anderer sozialer Sphären. Unsere Realität spielt in folgenden Preisklassen: Erwerbslose, Hartzer, Jobber, unterbezahlte Vollzeitarbeiter, mit dem Cent fuchsende Rentnerinnen stehen derzeit an DKP-Infoständen und bekommen strahlende Augen bei der Idee der Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Zu Recht! Doch so korrekt und einleuchtend diese und andere DKP-Wahlkampfforderungen auch sind, ohne die vielen Unterschriftensammler, die bundesweit argumentieren, kämen sie selten in die Wählerinnenköpfe.
Seit Wochen stehen hunderte DKP-Mitglieder auf der Straße bereit, mit Werbematerial und Formular in der Hand, endlich auch mit schönem Sonnenschein. In 14 Bundesländern sammelt die DKP Unterstützungsunterschriften für die Kandidatur zur Bundestagswahl am 24. September. Allein für diese Landeslisten braucht es als Minimum 23 000 Menschen, die sich für die Kandidatur aussprechen. Mit Sicherheitspuffer reden wir von gut 27 000 Unterschriften. Ein Mehrfaches an Gesprächen ist für so eine Summe nötig. Hinzu kommen über 20 Direktkandidaturen, die auch die Hürde von jeweils 200 Unterstützungsunterschriften nehmen müssen.
Bei den Infoständen, Nachbarbesuchen, kleinen Aktionen steckt entsprechend viel Arbeit drin. Ob man nun nahezu jeden Nachmittag in Dresden auf der Prager Straße steht wie Hans-Jürgen Westphal, um dabei die UZ zu bewerben und die eigenen Kandidatur abzusichern. Oder auf dem Weg zum Einkaufen mal eben anhält, den spazieren gehenden Bekannten anspricht, weil man jederzeit die auszufüllenden Formulare bei sich trägt – für den Glücksfall. Oder im eigenen Örtchen jeden Tag einen anderen Nachbarn aufsucht. Oder wie der Düsseldorfer Kandidat Uwe Koopmann, im Stadtteil Gerresheim bekannt als ehemaliges Bezirksvertretungsmitglied, gerne seine Handynummer auf die altbekannte DKP-Kleinzeitung „Flaschenpost“ druckt, mit dem Hinweis „immer für Sie da“, damit er neben der eigentlichen Unterschrift auch langfristig Kontakte im Stadtteil weiter festigt. Oder wie die Brandenburger DKP, die gleich zehn Direktkandidatinnen und -kandidaten ins Rennen schickt und mit einer 20 000er Auflage „Roter Brandenburger“ auf zwölf Seiten alle Kandidaten inhaltlich zu Wort kommen lässt. Oder man steht 20 mal hintereinander mit den selben vier anderen Leutchen am einzig sinnvollen Infostandplatz, um eine Direktkandidatur abzusichern, was Kräfte kostet – und Kräfte schafft.
Denn so viel Aktion derzeit auf die Beine gestellt wird, die Wirkung zeigt sich schon jetzt – auch wenn die Wahl ausfallen würde. „Gedacht hätte ich das vorher nicht, aber wir haben Genossinnen und Genossen, die mit der Unterschriftensammlung nun begeistert ganz offen als DKP-Mitglied in ihrem Dorf auftreten, was sie jahrelang nicht gemacht haben“, solche O-Töne landen im ORG-Büro der Parteizentrale. Denn hier sammeln sich all die Infos, Probleme wie Begeisterung. Von hier aus wird der Bundestagswahlkampf der Regionen zentral unterstützt.
Die Wahlkampfgespräche sorgen also Monate vor dem Wahltermin nicht nur für die Sichtbarkeit der Deutschen Kommunistischen Partei nach außen, sondern zeigen aktuell organisationspolitische Wirkung: DKP-Gruppen unterstützen sich gegenseitig bei Unterschriftenaktionen, für Orte ohne DKP-Gruppe werden Infostandtermine ausgeknobelt (beispielsweise für Neumünster). Die eigene Kraft wird konkret eingeschätzt und ohne Scheu so Helferinnen aus anderen Bundesländern angefragt, wie Thüringen es macht. Denn es gibt sie, die DKP-Bezirke, die bis Anfang Juli Hilfe von Unterschriftensammlern anderer Bundesländer brauchen: Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und eben Thüringen.
Solidarität ist herrlich konkret sowie unterhaltsam und lässt sich mit politischen Events kombinieren: Zum Buchenwald-Gedenkwochenende am 8./9. April in Weimar planen die Thüringer samstags mehrere Infostände, wo jede weitere Sammlerin helfen kann. Sonntags steht dann das Gedenken im Mittelpunkt, ab 10 Uhr bei der alternativen Buchenwald-Führung von SDAJ und IG Metall, um 13.30 Uhr bei der Ehrung der KZ-Häftlinge und um 14.15 Uhr bei der Thälmann-Ehrung von SDAJ und DKP.
Du wolltest eh zum Buchenwald-Gedenken fahren oder vor Juli in eines der Unterstützung suchenden Bundesländer reisen und hast dort Zeit, etwas zu helfen? Dann melde dich im ORG-Büro unter bundestagswahl2017@dkp.de oder 0201–177889-0, damit wir dich über mögliche Mitmachmöglichkeiten informieren können. Jede gespendete Stunde hilft!


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Leserbrief zu »Solidarisch Wahlkämpfen«, UZ vom 31. März 2017





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