Büchertipps

|    Ausgabe vom 24. März 2017

Bei aller Kritik, die an der Ausgestaltung der Leipziger Buchmesse gemacht werden kann, für viele Verlage ist die Teilnahme wichtig und notwendig. Der Kontakt zu neugierigen Bücherfreunden und die Möglichkeit, eventuell sogar eine gewisse Medienöffentlichkeit zu bekommen, lässt gerade die kleineren und kritischen Verlage trotz nicht geringer Kosten darauf hoffen, dass sich der Aufwand lohnt.
Auf vier Neuerscheinungen, die auch auf Veranstaltungen in Leipzig vorgestellt werden, sei vorab hingewiesen:

Der Laika Verlag stellt ein neues Buch von Stefano Brugnolo vor mit dem schönen Titel Marx und der abnorme Charme der Bourgeoisie. Während über den Charakter des Kapitalismus bis hin zu seiner heutigen imperialistischen Ausprägung viel geschrieben und geredet wird, ist die ihn tragende gesellschaftliche Klasse selten im Blick. Es wird von den „Herrschenden“, den „Eliten“ und den „Reichen“ gesprochen, aber diese Klasse selbst bleibt eher diffus.
Eine nicht ganz leichte Kost ist der neue Roman von Anke Stelling mit dem knappen Titel Fürsorge, erschienen im Verbrecher Verlag. Eine Ich-Erzählerin, die sofort klar sagt, dass sie nicht identisch sei mit der Protagonistin Nadja, schildert in oft knappen, lakonischen Sätzen, wie ein Leben aus den Fugen geraten kann, weil sich diese Nadja ihren Lügen, Verdrängungen und ihren unausgesprochenen Wünschen stellt und dabei der Kitt in den Fugen bröckelt.
Michael Steinbrecher und 14 angehende Journalisten der TU Dortmund gehen Fragen nach der Qualität des Journalismus, nach Einfluss und Unabhängigkeit nach und was am Vorwurf der „Lügenpresse“ dran sein kann und wohin es führen kann, solchen Parolen nicht entgegenzutreten.
Unter dem Titel Meinung, Macht, Manipulation ist ein lesenswertes und informatives Buch entstanden, nicht nur für die, die im Metier arbeiten, sondern auch für die, die sich daran abarbeiten. Erschienen ist der Titel im Westend Verlag.
HB

War gerade bei meinem Lieblingsbuchhändler, der mir stolz von einem neuen Buch erzählte, in dem sich ein schräger Anti-Typ mit seinen Hetz- und Hassreden zum Sprecher der kleinen Leute aufschwinge und zum Präsidenten der USA gewählt werde … „Ach“, sag ich, „gibt‘s ‘ne Neuauflage von Sinclair Lewis‘ Roman ‚Das ist bei uns nicht möglich‘“? Er: „Jau, gibt es.“ Ich: „Ja, endlich.“ In seinem aufsehenerregenden Werk entwirft der Nobelpreisträger als Warnung die beklemmende Dystopie von der Machtergreifung des Faschismus in den USA, den er als scharfsichtiger Beobachter der Entwicklung im Europa der 1930er Jahre miterlebt hatte. Die im Exilverlag Querido, Amsterdam, veröffentlichte erste deutschsprachige Ausgabe wurde auf Grund der politischen Brisanz des Romans sofort nach Erscheinen 1936 verboten und erschien erst 1984 in deutscher Neuauflage. Ja, wo denn wohl? In der Deutschen Demokratischen Republik! Und jetzt, 82 Jahre (!) nach der Erstveröffentlichung in den USA ein Reprint in der BRD. Immer noch lesenswert und tiefgründig - und ohne vordergründige „Blondinen-Vergleiche“ (Trump, Le Pen, Wilders etc.) hochaktuell. Erschienen ist das Buch im Aufbau Verlag. Siehe auch den Tipp der Woche beim Lieferservice für lesende Linke auf www.neue-impulse-verlag.de
LoG


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Büchertipps«, UZ vom 24. März 2017





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.