Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 17. März 2017

DDR-Geschichte auf Arabisch
Die Leipziger Gedenkstätte „Runde Ecke“, eine Bürgerstiftung zur „Aufarbeitung“, will Flüchtlingen die deutsche Geschichte näherbringen. Die Zusammenarbeit mit dem, was ein gewisser Hubertus Knabe in Berlin betreibt, lässt Schlimmes befürchten. Unter anderem informiert ein Audio-Guide in arabischer Sprache in der Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ über die jüngste Vergangenheit, außerdem steht eine arabischsprachige App „Leipzig 89“ zur Verfügung sowie eine deutsch-arabisch-sprachige Präsentation der Stelenausstellung „Orte der Friedlichen Revolution“ in der Leipziger Innenstadt. Die Angebote sollen laut Eigendarstellung Flüchtlingen und Asylsuchenden, die in Leipzig leben, zentrale Werte der Demokratie (welche immer diese sein mögen) vermitteln und zugleich das Bewusstsein für die Gefahren totalitärer Ideen und Systeme schärfen. Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Wie irritierte Besucher vor Geschichtsklitterung und bewussten Falschdarstellungen geschützt werden können, sollten demokratische und sozialistische Kräfte vor Ort überlegen.

Rote Liste
Der Deutsche Kulturrat hat das Theatermuseum Düsseldorf auf die „Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen“ gesetzt. Das Museum mit Dokumenten zum Theater vom 16. bis 21. Jahrhundert soll 2020 aus Sparzwängen in die alte Hauptpost am Hauptbahnhof umziehen, hieß es zur Begründung. Kritiker dieser Pläne der Stadtverwaltung befürchten, dass dort das Museum aber kaum noch wahrgenommen würde, da Ausstellungen nur noch extern möglich wären. Der bisherige Museumssitz, das sanierungsbedürftige spätbarocke Hofgärtnerhaus von 1802, soll verkauft werden. Die Stadt will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Kein Geld mehr für das Museum und ein lukrativer Verkauf an private Investoren. Die Gewerkschaft ver.di unterstützt eine Petition, die sich gegen diese Pläne richtet.
Auf die Rote Liste kam auch die seit der Nachkriegszeit in Bonn erscheinende Zeitschrift „Filmdienst“. Die seit über 70 Jahren von der katholischen Kirche in Deutschland herausgegebene älteste deutsche Zeitschrift für Filmkritik musste laut Kulturrat Ende vergangenen Jahres eingestellt werden und erscheint jetzt nur noch online. Mit seiner Roten Liste will der Kulturrat – analog zu den Roten Listen der Tiere und Pflanzen – auf die Bedrohung von Kultureinrichtungen in Deutschland aufmerksam machen.

Fremdes spielen
Das 2016 gegründete Centre of Competence for Theatre (CCT) der Universität Leipzig hat jetzt mit dem ersten großen Forschungsprojekt begonnen. Es trägt den Titel „Fremde spielen. Amateurtheater als Medium informeller und non-formaler transkultureller Bildung“. Das Projekt findet in enger Kooperation mit dem Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) statt, der im Jahr 2017 sein 125-jähriges Bestehen feiert und mehr als 2 400 Theatergruppen vertritt.
„Wir sind alle überrascht von dem Ausmaß an Fremdenhass und Fremdenangst, das in unserer modernen, aufgeklärten Gesellschaft jüngst wieder aufgetreten ist, obwohl man eigentlich gedacht hat, das sei überwunden. Vor diesem Hintergrund ist gerade Theater, also nicht nur Profi-Theater, sondern das eigene Theaterspiel, ein ganz wesentliches Medium, um solche Ängste vor dem Fremden zu nehmen“ heißt es in den Ankündigungen. Und weiter: „Die Geschichte ermöglicht den Blick auf fremde Zeiten und Räume. Kulturelle Bildung durch Amateurtheater bringt durch die Wiederholung von Geschichte die historisch tradierten Orientierungsmuster und kulturellen Praktiken ins Spiel und öffnet im ‚Fremde Spielen‘ das Eigene auf das Fremde hin“.
Lobens- und begrüßenswert, Initiativen sollten das Projekt nicht nur beobachten, sondern vielleicht auch selbst mit ihren Erfahrungen und Vorstellungen begleiten.


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Leserbrief zu »Kultursplitter«, UZ vom 17. März 2017





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