Kein Ausweg aus der Krise

Roter Käfer zur E-Mobilität
|    Ausgabe vom 10. März 2017

Elektroautos sind der Renner. Zumindest in der Diskussion über die Zukunft der Branche. Seit dem Auffliegen der Betrugssoftware ist die Mär von der modernen und vor allem „sauberen“ Dieseltechnologie geplatzt. Und damit rückten die Elektroautos, die jahrelang bei den deutschen Autobauern einen Dornröschenschlaf hielten, plötzlich in den Mittelpunkt. Alle Autokonzerne planen inzwischen für 2025 mindestens 20–25 % ihrer Produkte als E-Mobile, VW will laut Diess bis dahin sogar die „Weltmarktführerschaft bei E-Autos“. Dafür und um die Strafen in den USA zu finanzieren, soll die Belegschaft durch Stellenabbau kräftig zur Ader gelassen werden.
Allerdings: In den Hochglanz-Broschüren der Konzerne kommen die ungelösten Fragen bei diesem massiven Ausbau der E-Auto-Flotte, wenn überhaupt, nur am Rand vor. Als erstes muss hier der Slogan „null Emissionen“ hinterfragt werden. Denn die Emissionen entstehen zwar nicht beim Fahren, aber die Energie muss vorher in die Batterien geladen werden. Und dazu braucht man Strom aus dem Netz, dessen Erzeugung alles andere als emissionsfrei ist. Um die vielen neuen E-Autos klimaneutral zu laden, müsste der Ausbau der erneuerbarer Energien massiv in Angriff genommen werden. Die letzte Novellierung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) geht in die andere Richtung.
Die Energie ist nicht das einzige Problem. Hinzu kommt der Bedarf vieler seltener Rohstoffe für E-Motor und Batterie. An erster Stelle Lithium und Kobalt, aber auch Terbium, Neodym, Dysprosium und weiterer Verbindungen mit klingendem Namen. Die sind rar und werden oft mit erheblichen negativen Umweltauswirkungen abgebaut. Z. B. Kobalt: Das kommt vor allem aus dem Kongo (Coltan) und wird unter skandalösen Bedingungen mit massiver Kinderarbeit gefördert.
Ein weiterer Knackpunkt ist neben dem bisher hohen Preis der E-Autos besonders die unzureichende Infrastruktur an Ladesäulen. Um den gewünschten Millionen neuen E-Auto-Kunden die „Reichweitenangst“ zu nehmen, haben die Hersteller kürzlich angekündigt, einige Hundert Millionen Euro in ein Schnellladenetz zu investieren. Auch die Bundesregierung will viele hundert Millionen locker machen, damit an allen bewirtschafteten Rastplätzen zwei Schnellladepunkte entstehen. Das ist erstens ein technisches Problem: um ein E-Auto in wenigen Minuten zu laden, muss der Bedarf für 100 Einfamilienhäuser in kurzer Zeit aus dem Kabel kommen. Die Stecker werden dabei so warm, dass Kühlsysteme eingebaut werden müssen. Und zweitens nicht gerade billig: 100 000 bis 150 000 Euro kosten laut ABB oder Siemens jede dieser Hochleistungs-Zapfsäuen. Wer soll’s bezahlen?
Viele Fragen, bisher wenig Antworten. Wir Kommunisten meinen: Die Förderung einer ökologischen und sozialen Mobilität darf sich nicht allein an dem von der Autolobby erzeugten E-Auto-Hype, inzwischen ergänzt um die Digitalisierung und das autonome Fahren, orientieren. Nötig ist ein gesamtgesellschaftlicher Rahmenplan für eine ökologische, soziale und sichere Mobilität. Dafür braucht es den Ausbau und die Vernetzung bestehender und neuer Verkehrsträger. Darin haben dann auch E-Autos einen Platz. Gefördert werden sollte ein „Umbau“ der Automobilindustrie, bei dem nicht ausschließlich der Profit der Autokonzerne zählt und wieder einmal die Beschäftigten die Zeche zahlen müssen. Dafür wäre aber sehr viel mehr Einmischung und Druck von unten nötig.

(Aus dem „Roten Käfer“, Betriebszeitung der DKP für VW-Braunschweig und Wolfsburg, März 2017)


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