Wohnung, Gleichberechtigung, Solidarität

|    Ausgabe vom 3. März 2017

Für kleine Verbesserungen, für die große Veränderung – auf der Straße und im Stadtteil, im Betrieb und im Wahlkampf.
Fünf Frauen, die bei Bundes- und Landtagswahlen für die DKP kandidieren oder auf andere Weise aktiv sind, stellen sich vor.

 

„Wohnung darf keine Ware sein“

Siw Mammitzsch

Siw Mammitzsch

Siw Mammitzsch (38, Essen) kämpft für die Interessen von Mieterinnen und Mietern. Bei bei den Landtagswahlen in NRW kandidiert sie für die DKP.
„Endlich Feierabend! Nach einem anstrengenden Tag – ob in Schule, Uni oder auf der Arbeit – muss jede/r mal kurz ausruhen, die Klamotten wechseln, was essen, duschen, einfach einen Rückzugsort finden, so sein wie man will. Unsere Wohnungen sind zentraler Ort unseres Lebens. Jedoch nur, wenn die Wohnung Standards erfüllt, die ein gesundes Leben ermöglichen. Da Wohnraum jedoch eine Ware wie jede andere auf dem kapitalistischen Markt ist, geht es nicht um uns und unsere Bedürfnisse, es geht allein um den maximal möglichen Profit.
Wer den nicht bezahlen kann, wird schnell zu Abstrichen bei den Standards gezwungen. Wer sich aber in seiner Wohnung nicht wohl fühlt, der kann sich nicht regenerieren, die Gesundheit leidet, die Arbeitsleistung sinkt – ein Teufelskreis. Wohnen ist ein Menschenrecht und muss der Profitmaximierung entzogen werden. Wohnraumversorgung betrifft uns alle und gehört deshalb unter demokratische Kontrolle aller.“

„Es geht ums Ganze“

Anna Cordi

Anna Cordi

Anna Cordi (Stuttgart) ist in der DKP aktiv – weil nur der Sozialismus Frauenrechte sichern kann.

„Mehr Frauen in Führungsetagen – das soll Gleichberechtigung sein? Dabei ist es für Millionen von Frauen egal, ob sie von einer Frau oder einem Mann ausgebeutet werden. Schon bei der Forderung ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ ist in diesem System Schluss. Aber wer den weiblichen und männlichen Kapitalisten nicht an die Kohle will, kommt der Gleichberechtigung keinen Schritt näher.
Frauen streiten und streiken mit den Männern für mehr Lohn, kürzere Arbeitszeiten, gegen Krieg, gegen Nazis. Warum ich in der DKP bin? Wenn es um Frauenrechte geht, muss es ums Ganze gehen. Solange wir im Kapitalismus gegeneinander ausgespielt werden können – Frauen gegen Männer, Stammbelegschaft gegen LeiharbeiterInnen, Einheimische gegen Geflüchtete – so lange wird es auch bei den Geschlechterverhältnissen immer nur kleine Zugeständnisse geben. Für echte Gleichberechtigung müssen wir die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Erst der Sozialismus schafft die Grundlage für die wirkliche Befreiung der Frau.“

„Keine DDR ist auch keine Lösung“

Diana Kummer

Diana Kummer

Diana Kummer (30, Physiotherapeutin aus Essen) kommt aus Sachsen – um einen Job zu finden, musste sie in den Westen.

„Meine Kindheit war geprägt von starken Frauen. Jede Frau in der Familie hatte einen Beruf und ein eigenständiges Leben – Kinder schlossen sich dabei nicht aus. Erziehung, Haushalt – klassische Frauenarbeitsfelder – wurden mit den Männern und der Gesellschaft geteilt. Auch wenn das alles noch nicht perfekt war – Gleichberechtigung wurde in der DDR anders geschrieben. Und heute? Auf dem Papier sieht alles schick aus. Die Realität ist fast schon antiquarisch. Frauen meiner Generation entscheiden sich zwischen Beruf und Familie. Beides zusammen geht nicht. Der Ruf zurück an den Herd wird lauter – gerade von Rechts.
Dagegen hilft nicht nur die rote Nelke am Frauenkampftag!“

„Niemand flüchtet ohne Grund“

Shabnam Shariatpanahi

Shabnam Shariatpanahi

Shabnam Shariatpanahi (37, Pädagogin aus Duisburg) ist nach Deutschland geflohen. Bei bei den Landtagswahlen in NRW kandidiert sie für die DKP.

„Ich bin als Tochter einer Flüchtlingsfamilie mit 12 Jahren nach Deutschland geflohen. Ich habe schon sehr früh lernen müssen was Krieg bedeutet. Niemand flüchtet ohne Grund und geht dabei lebensbedrohliche Risiken ein. Die deutsche Rüstungsindustrie ist einer der Hauptexporteure von Waffen. Wer Flucht beenden will, muss Fluchtursachen beenden. Ich möchte mich für eine friedliche Welt einsetzen. Ich möchte für bessere Lebensbedingungen kämpfen. Die kann man nur gemeinsam erreichen. Für mich verläuft die Grenze nicht zwischen Deutschen und Migranten sondern zwischen oben und unten. Schluss mit Ausbeutung und Krieg. Gemeinsam kämpfen!“

„Aufstehen!“

Esther Bejarano

Esther Bejarano

Esther Bejarano (92, Musikerin aus Hamburg) hat Auschwitz überlebt.

„Meine Schwester Ruth und ihr Ehemann wollten während der NS-Zeit vor den Nazis in die Schweiz fliehen. Die Schweizer Polizei hat sie aber nach Deutschland abgeschoben, woraufhin Ruths Ehemann von deutschen Grenzsoldaten erschossen wurde. Ruth wurde später im KZ Auschwitz ermordet.
Ich habe daraus für mich die Schlussfolgerung gezogen: Die Flüchtlinge müssen aufgenommen, ihnen Asyl gewährt und Arbeit gegeben werden!
Wir müssen aufstehen gegen den Rassismus, wir müssen uns alle gemeinsam gegen die Neonazis und die rechten Populisten wehren. Die Egoisten und die Rassisten dürfen nicht die Oberhand bekommen.“


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Leserbrief zu »Wohnung, Gleichberechtigung, Solidarität«, UZ vom 3. März 2017





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