Manifestes Unwohlsein

Von Michael Gerke, Dortmund
|    Ausgabe vom 24. Februar 2017

Die Wirklichkeit aggressiver Gewalttäter außerhalb des Westfalen-Stadions ist die eine, die Wirklichkeit der Spruchbänder auf der Süd die andere Seite der Medaille. Letztere interessiert mich mehr: Da kommt also ein sportlicher Ableger eines multinationalen Brausekonzerns in die Revierstadt, deren Alleinstellungsmerkmale Arbeitslosenquoten wie im Osten und eine billigst zu habende Arbeitnehmerschaft sind. Wundert mich nicht, dass dann mit viel Zeit und Fleiß erarbeitete schmuckvolle Bänder die Süd zieren, mit Sprüchen wie „Für den Volkssport Fußball – gegen die, die ihn zerstören!“ oder „Geboren auf Vorstadtwiesen mit nem Traum, nicht aus Geldgier in nem Vorstandsraum“ oder „Der DFB zerstört den Fußball, Red Bull ist der Beweis“ oder „Nein zur Dose, kauft Flaschen!“ (Übersicht auf 11freunde.de, mit einer Menge nicht so harmloser Sprüche). Wundert mich nicht, dass bürgerliche Medien einschließlich ARD, ZDF und Sky darauf nicht eingehen. Wundert mich auch nicht, dass Watzke und Mitgesellschafter der Borussia Dortmund KGaA nicht darauf eingehen. Wundert mich allerdings schon, dass Sie nicht mal mit einem Nebensatz darauf eingehen, dass sich hier wohl auch politisch-ökonomisches Unwohlsein manifestiert – so operettenhaft es auch sein mag.


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