Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 24. Februar 2017

Ehrung
Knapp drei Jahre nach dem Tod von Gabriel García Márquez ist in Havanna eine Bronzestatue des kolumbianischen Schriftstellers enthüllt worden. Das Denkmal wird verstanden als Hommage an den Literaturnobelpreisträger, der eng verbunden war mit Havanna, der Karibik und Kuba.
Mit der Skulptur will sich die kolumbianische Regierung außerdem bei den Kubanern für ihre Unterstützung des Friedensprozesses mit der FARC-Guerilla bedanken. Die lebensgroße Statue von García Márquez, der mit dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro befreundet war und in den 80ern einige Jahre in Havanna lebte, stammt von dem kubanischen Bildhauer José Villa Soberón.
García Márquez erhielt 1982 den Nobelpreis für Literatur, das Preisgeld steckte er in die Gründung der Zeitung „El Otro“. Drei Empfehlungen aus seinem umfangreichen Werk: „Das Abenteuer des Miguel Littín – Illegal in Chile“, „Hundert Jahre Einsamkeit“ und seine Autobiografie „Leben, um davon zu erzählen“.

Nominierung
Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund ist für einen der renommiertesten Museums-Preise nominiert worden – den „Museum of the Year Award“ (EMYA). Es gehört damit zum Kandidatenkreis des ältesten Wettbewerbs dieser Art, der unter Experten als „Museums-Oscar“ gilt. Bisherige Preisträger waren unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao (2000) und das Rijksmuseum in Amsterdam (2015). Dass ein Sportmuseum die Gunst der Juroren gewinnt, ist ungewöhnlich. „Es ist für uns ein absolutes Highlight, wenn wir in der Champions League der Museumswelt mitspielen. Das zeigt, dass der Fußball im kulturellen Leben angekommen ist“, sagte Museumsdirektor Manuel Neukirchner der Deutschen Presse-Agentur.
Der Satz ist typisch für eine Denke, die meint, Sport, Unterhaltung und Vergnügen müssten sich bei der „Hochkultur“ anbiedern, um irgendwelche höheren Weihen zu erhalten.
Der unter der Schirmherrschaft des Europarats stehende EMYA soll innovative Entwicklungen in der internationalen Museumsszene fördern und bekannt machen. Er wird seit 1977 entweder an ein kurz zuvor neu eröffnetes Museum oder an ein Museum mit komplett modernisierter Ausstellung vergeben. Das Ausstellungsgebäude in Dortmund wurde vor gut einem Jahr eröffnet und liegt zentral am Dortmunder Hauptbahnhof, ein Besuch und ein Blick ins umfangreiche Veranstaltungs- und „Kultur“programm lohnt sich.

Nachahmenswert
Die New Yorker Stadtbibliothek benennt anlässlich des 90. Geburtstags von Harry Belafonte Anfang März eine Außenstelle in Harlem nach dem Entertainer. Der Bürgerrechtler und Sozialist setzte sich im Vorwahlkampf für Bernie Sanders ein, bei einem Kuba-Besuch sagte er, „Es dürfte schwer sein, ein Land zu finden, das mehr Wert legt auf die Kultur seiner Menschen und die Entwicklung dieser Kultur als Kuba.“ Die Stadtteilbücherei an der 115. Straße in Manhattan werde künftig Belafontes Namen tragen, teilten die New York Public Library und Bürgermeister Bill de Blasio mit. „Harlem hat einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen und ich fühle mich geehrt, dass ich jetzt einen speziellen Platz in Harlem haben werde“, sagte Belafonte.
Zum Netz der New Yorker Stadtbibliothek gehören 92 Stadtteil-Filialen, die jährlich von rund 18 Millionen Menschen besucht werden.
Eine nachahmenswerte Idee, es gibt sicherlich in jeder Stadt Künstler und Künstlerinnen, die für ihr antifaschistisches und demokratisches Engagement auf eine solche Art geehrt werden könnten. Stadtbüchereien und Stadtteilbüchereien müssen doch nicht so langweilig nur den Städtenamen oder den Stadtteilnamen tragen, mit solchen Ehrungen könnte so einiges ins Bewusstsein kommen.


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