Kultursplitter

Von Herbert Becker
|    Ausgabe vom 17. Februar 2017

Filmindustrie
Es gibt nicht nur den roten Teppich auf der Berlinale, die zur Zeit stattfindet. Die deutsche Filmindustrie schafft, wie eine aktuelle Studie für das Bundeswirtschaftsministerium zeigt, einen Beitrag zur deutschen Wirtschaftsleistung von 13,6 Mrd. Euro. Rund 116 000 Menschen sind insgesamt in diesem Bereich tätig.
Großen Anteil daran hatte die Förderung. Rund 224 Mio. Euro stecken Bund (40 Prozent) und Länder (60 Prozent) in die klassische Filmförderung inklusive TV-, Vertriebs- und Kinoförderung.
Die Studie, für die gut 1000 Unternehmen und Einzelpersonen aus der Filmwirtschaft befragt wurden, stellt die wirtschaftliche Bedeutung der Branche erstmals umfassend und systematisch dar. Mangels neuerer statistischer Daten stammen die Zahlen aber größtenteils aus den Jahren 2014 und 2015. So gab es 2015 mehr als 230 Produktionen und Ko-Produktionen mit deutscher Beteiligung und mehr als 135 Millionen Kinobesucher.
Leider gibt die Studie keinen Aufschluss darüber, wie die Situation der Beschäftigten aussieht. Die meisten von ihnen, und das gilt nicht nur für die vor der Kamera, sondern auch für die Menschen dahinter, für Tontechniker, Beleuchter, Ausstatter usw, ist nur projektbezogene Arbeit vorgesehen.
Danach heißt es Warten, Hoffen auf den nächsten Film und solange mit dem auskommen, was bezahlt wurde und das heißt oft, der Gang zum Arbeitsamt ist ohne den Glamour zu leisten.
Filmförderung nach Art der Bundesregierung
Es sind wahre Größenordnungen, die jetzt bereitstehen: Ganze 50 Millionen Euro pro Jahr stellt der Bund für die Filmförderung zu Verfügung, ein Betrag, der im Rüstungsetat nicht ausreicht, um die Werbekampagnen zu finanzieren.
Das neu strukturierte FilmFörderungs-Gesetz, Anfang des Jahres in Kraft getreten, sieht zum Beispiel vor, das die Förderung effizienter gestaltet wird, soll heißen, die Fördermittel werden auf weniger, dafür aber erfolgversprechendere Filme konzentriert. Soll weiter heißen, der mutmaßliche Erfolg an der Kinokasse ist wesentlich und nicht künstlerische Qualität oder auch Wagnis. Auch führt man nun als Spitzenförderung eine (Achtung Wortungetüm) Drehbuchfortentwicklungsförderung ein. Soll wieder – von Hollywood lernen, heißt Kasse machen – bedeuten, was gut gelaufen ist, soll mindestens eine Fortsetzung haben. Zu befürchten ist demnach, das „Toni Erdmann“ in eine Endlosschleife geraten kann.
Als kleine Beruhigung heißt es auch, dass die zuständige Filmförderungsanstalt darauf hinwirkt, dass die in der Filmwirtschaft eingesetzten Beschäftigten zu sozialverträglichen Bedingungen arbeiten können. „Hinwirken“ ist immer gut, hat ja schließlich keine Konsequenzen.
Renaissance
So schnell kann es gehen: Auf den neuen Bestseller-Listen in den USA tauchen Titel auf und klettern auf vordere Plätze, die schon vor Jahrzehnten erschienen sind und nun als aktuelle und den heranbrechenden Zeiten entsprechende Einsichten leisten und wohl so wahrgenommen werden.
Drei seien hier genannt, zum einen George Orwell „1984“, zum anderen Margaret Atwood „Report der Magd“ und zum dritten Sinclair Lewis „Das ist bei uns nicht möglich“. Alle drei haben auf ihre je eigene Art das Thema autoritärer Staat, Überwachung aller Lebensbereiche, Verfolgung Andersdenkender und „Andersartiger“. Die beiden erstgenannten Bücher sind als Taschenbuch auch bei uns in deutscher Sprache lieferbar, der Titel von Sinclair Lewis leider nicht. Ob der Aufbau-Verlag, der wohl die Rechte daran hat, eine Neuauflage plant? Schön wäre es.
Und Mr. President sei Dank für diese Förderung lesenswerter Bücher.


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