Reden über Trump

Ein Blick in die (Medien-)Welt der vergangenen Woche
Von Adi Reiher
|    Ausgabe vom 3. Februar 2017

Eine der beliebtesten Arten inzestuöser Desinformation geht so: Journalist(in) interviewt Journalist, auch beliebt in der Variante Journalist interviewt Journalist(in). Das suggeriert Vielfalt und Kompetenz. Die allerdings regelmäßig da endet, wo der Dienstherr, egal ob Intendant oder Verleger, „seinen“ Journalisten die inhaltlichen Grenzen setzt – egal ob einem, zweien oder 200.
Wie das funktioniert, führen Sabine Heinrich und „Radiolegende“ Klaus-Jürgen Haller vor. Thema Donald Trump. Sabine wird deutlich: Bau der Mauer nach Mexiko, Folter als legitime Verhörmethode. Haller, jetzt in Pension, einst Korrespondent in Washington, kritisiert Trump als Narziss und nennt den Streit um die Zuschauerzahlen bei der Amtseinführung Killefick. Dann platziert er seine Botschaft. Alles halb so wild, abwarten. Das findet dann auch Frau Heinrich. Beide befinden sich damit zu 100 Prozent auf der Linie dessen, was WDR 2 seit Wochen in aller Vielfalt und Kompetenz zum neuen US-Präsidenten absondert.

In der Presse liest es sich so: „Kölner Ring zieht an Berliner Ring vorbei“. Die Wortwahl deutet einen Erfolg an. In diesem Fall heißt der, dass täglich 171 000 Fahrzeuge das Autobahnkreuz Köln Ost passieren und damit 3 000 mehr als den Tempelhofer Damm in Berlin.
Wenn ich im nächsten Sommer auf meiner Dachterrasse sitze, werde ich diesen „Erfolg“ so richtig genießen – aus 1 500 Meter Entfernung Luftlinie. Den Krach hört man nur dann nicht so laut, wenn ein Flugzeug sich im Landesanflug auf Köln-Bonn befindet – also ziemlich oft.

Irak, Iran, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan und Syrien sind die sieben Länder, für deren Einwohner US-Präsident Donald Trump ein zunächst zeitlich begrenztes Einreiseverbot verhängt. Der Iran ist dabei das einzige Land, in dem die US-Militärmaschine nicht interveniert oder interveniert hat – aber das nur nebenbei. Die Maßnahme und die Auswahl dienen erkennbar ausschließlich dem Zweck, Muslime zu diskriminieren und zu demütigen. Und erzeugen damit, was sie zu bekämpfen vorgeben – Terror. Was Herr Trump tut, ist wohl durchdacht, schlimmer, es hat Methode.

Über 24 Stunden nach der Attacke auf eine Moschee in Quebec wissen wir immer noch (fast) nichts über den Täter und seine Motive. Das gilt im übrigen auch für die Opfer, sechs Tote und acht Verletzte. Nachrichtensperren der Behörden sind inzwischen weltweit gang und gäbe. Aber was zwingt die versammelte Weltpresse, nicht einmal Namen und Nationalität des Täters herauszufinden? Berichtet wird immerhin, dass er 27 Jahre alt ist, was heißt, dass seine Identität sehr wohl bekannt ist.
Offensichtlich wird Gewalt gegen Muslime von Behörden und Medien grundsätzlich anders behandelt als Gewalt von Muslimen. Es gibt nur ein logisches Motiv, die Gräben sollen weiter vertieft, Hass und Gewalt geschürt werden. Die Mittel sind Diskriminierung und Demütigung. Willkommen im freien Westen im Jahre 227 der Französischen Revolution.


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Leserbrief zu »Reden über Trump«, UZ vom 3. Februar 2017





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