Ende des Kalten Krieges?

Von Gerhard Naumann, per E-Mail
|    Ausgabe vom 20. Januar 2017

Auch Ihr sprecht von „seit den Kalte-Kriegs-Zeiten einzigartige – militärische Drohkulisse“. Wann hat denn eigentlich der Kalte Krieg aufgehört? Da kann doch nur der Zeitpunkt des Verschwindens der Sowjetunion gemeint sein. Ist seitdem kein solcher Krieg mehr geführt und sogar an vielen Stellen in der Welt in einen heißen übergeführt worden? Warum wird dann von seinem Ende gesprochen? Das unterstellt außerdem, dass die SU genauso den Kalten Krieg führte wie die USA. Angefangen haben England und die USA (siehe Churchill Fulton 1947). Was blieb der SU übrig, als entsprechend zu reagieren? Und wieso ist diese (jetzige) „militärische Drohkulisse“ einzigartig? Die hat es seit der Hiroshima-Bombe, die eigentlich als Drohung gegen die SU gedacht war, immer gegeben. Jetzt eben gegen Russland. Und die Kriege gegen alle Länder, die sich nicht den Weltherrschaftsplänen der USA unterordnen wollten, waren auch immer militärische Drohkulisse gegen Russland. Militärische Einkreisungspolitik, die in hohem Maß gelungen ist (Polen, Ukraine, Georgien,Baltikum usw) und die Kriegsgefahr in Europa verschärfte. Putin ist zu danken, dass er nicht Gleiches mit Gleichem vergilt, obwohl das nach zwei Flugzeugabschüssen und dem Rauswurf der russischen Diplomaten sehr schwer gefallen sein dürfte.
„Seit dem Ende des Kalten Krieges“ verdient es absolut nicht, ein feststehender politischer Standpunkt zu werden zu werden. Er verbiegt die Wirklichkeit und leugnet die Gefahr.


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