Werde weiter über Spanien schreiben

Von Werner Abel
|    Ausgabe vom 6. Januar 2017

Ich habe mir bis dato nicht vorstellen können, dass es ein Vergehen ist, anlässlich des 80. Jahrestags des Beginns des Spanischen Bürgerkriegs in linken Zeitungen und Zeitschriften zu publizieren. Ich habe auch nicht gewusst, dass ich mir zuvor die Genehmigung von Krüger einholen und ihm meine Biographie offenlegen muss. Zu DDR-Zeiten, so sagt ihm seine „sehr umfangreiche Bibliothek“, habe ich nichts über Spanien publiziert. Ja, das ist ein schreckliches Defizit, vor allem deshalb, weil ich erst vor einigen Jahren begonnen habe, mich intensiver mit jener Zeit in Spanien zu befassen. Ein Auslöser dafür war, dass ich die Möglichkeit bekam, Unterlagen über die Internationalen Brigaden aus dem Kom­intern-Archiv in Moskau zu bekommen. Da der Zugang zu diesem Archiv deutlich komplizierter geworden ist, war ich der Meinung, diese Unterlagen und das, was für die Forschung neu ist, einem größeren Publikum bekanntmachen zu müssen. Und das natürlich auch in der UZ. Meines Wissens haben über die Kommission für ausländische Kader beim ZK der KP Spaniens im deutschen Sprachraum bisher nur Michael Uhl (Tübingen) und Peter Huber (Schweiz) geschrieben. Die Akten der Internationalen Brigaden konnten Ende 1938 (fast) komplett nach Moskau evakuiert werden, einen kleinen Teil davon erhielt die DDR. Dieser Bestand lagert heute im Bundesarchiv, einen anderen Teil hat das IISG Amsterdam aus Russland erworben. Wenn sich Krüger schon nicht die Mühe machen wollte, nach Moskau zu reisen, dann hätte er sich die beiden zuletzt genannten Bestände anschauen können.
In meinem UZ-Artikel über die KP Spaniens wollte ich auch Max Schäfer eine Ehre erweisen, indem ich die 1940 in Moskau geschriebene Charakteristik einbaute. Max Schäfer erhielt eine der besten Einschätzungen, die zu dieser Zeit in Moskau verfasst wurden. Weshalb ich aber bei dieser Gelegenheit auch seinen Nachruf auf seinen Bruder Karl erwähnen sollte, erschließt sich mir nicht. Dirk Krüger sei nur noch gesagt, dass ich im kommenden Jahr und vermutlich ohne seine Genehmigung einzuholen, drei weitere unbekannte Kantorowicz-Briefe veröffentlichen werde. Ich werde trotz meiner DDR-Biographie, die Krüger anscheinend so empfindlich stört, weiter über Spanien in jener Zeit schreiben.


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