Zwei Pflichten

Weshalb Interbrigadisten Mitglieder der KP Spaniens wurden (Teil II und Schluss)
Von Werner Abel
|    Ausgabe vom 9. Dezember 2016

Die kommunistischen Interbrigadisten kamen aus den verschiedensten Ländern und Regionen. Die Parteiarbeit in den Internationalen Brigaden musste anders und effizienter organisiert werden. Diese Interbrigadisten in einer Partei, der KP Spaniens, zu organisieren, ergab sich zudem aus den Anforderungen des gemeinsamen Kampfes:


Mitglieder der KP Spaniens
Die nationalen Parteivertretungen auf allen Ebenen wurden aufgelöst und die Parteiarbeit auf die Politik der KP Spaniens ausgerichtet. Alle ausländischen Kommunisten wurden mit ihren spanischen Genossen, die ja von Anfang an den Interbrigaden angehörten und 1938 sogar die Mehrheit in diesen Einheiten bildeten, in Zellen zusammengefasst, so dass es bald keine nationalen Gruppen mehr gab. Pro Einheit existierte nur noch ein Parteikomitee, und das von der Division bis zu den Zügen. Neu war, dass Funktionäre nicht ernannt, sondern dass die besten Genossen, die sich politisch und militärisch bewährt hatten, gewählt wurden, wobei abhängig von der Stellung dieser Genossen das Regionalkomitee oder das Zentralkomitee der KP Spaniens dann zustimmen musste. Aber zuvor mussten die jeweils nationalen kommunistischen Parteien ihr Einverständnis geben, wenn eins ihrer Mitglieder in die KP Spaniens überführt wurde. Das Aufnahmeprozedere war ob der notwendigen Überprüfungen sowohl gründlich als auch langwierig. In einigen Fällen konnte es durch die Räumung Kataloniens nicht abgeschlossen werden. Die KPD-Vertretung bei der Komintern in Moskau konnte aber dann trotzdem mit Stolz konstatieren, dass über 80 Prozent ihrer Mitglieder in Spanien in den PCE und in einigen Fällen in den PSUC, der ja auch Mitglied der Kommunistischen Internationale war, überführt werden konnten.

Neues Herangehen, neue Anforderungen
Neu war, dass den Vorsitz der Parteikomitees in den Einheiten bis auf wenige Ausnahmen keine Offiziere, sondern ausschließlich Mannschaftsdienstgrade, also einfache Soldaten, übernahmen und dass dies unter dem stärkeren Heranziehen der spanischen Kader geschah. Gradmesser war in jedem Fall die Anerkennung der von der KP Spaniens betriebenen Volksfrontpolitik. Ein Novum war nun auch die von André Marty, dem Vorsitzenden des Militärkomitees der Internationalen Brigaden, vorgeschlagene Aktivistenbewegung, die bei dem letzten großen Kampfeinsatz der Interbrigadisten, der Ebro-Schlacht, eine große Bedeutung erfuhr. Die Aktivistenbewegung, zu dieser Zeit vermutlich einmalig in der westlichen Welt, war keineswegs nur ein propagandistisches Strohfeuer, sondern führte, wie auf dem 1. Aktivistenkongress mit bewegten Worten berichtet wurde, zum kulturellen und militärischen Wetteifern verschiedener Einheiten.
Aber auch das Zentralkomitee der KP Spaniens intensivierte seine Arbeit hinsichtlich der Internationalen, denn die Übernahme der ausländischen Genossen stellte neue Anforderungen an die Kaderarbeit. So wurde im Februar 1938 die Kommission für ausländische Kader in die Militärpolitische Kommission umgewandelt, deren Vorsitz An­dré Marty und sein Stellvertreter Franz Dahlem übernahmen. Verantwortlich für die Kaderarbeit wurden die „Gen. Carmen“ und der „Gen. Edo Romano“, deren wahre Identitäten lange ungeklärt blieben. Erst Anfang 2016 konnte herausgefunden werden, dass „Carmen“ die deutsche Kommunistin Ruth Kahn war, die schon 1934 von der Kommunistischen Jugendinternationale nach Spanien geschickt worden war, durch die Heirat mit dem späteren Politbüromitglied Pedro Martínez Cartón die spanische Staatsbürgerschaft erhielt und 1936 Santiago Carillo bei der Vereinigung des kommunistischen und des sozialistischen Jugendverbands beraten sollte. „Edo“ war der italienische Kommunist und nach dem 2. Weltkrieg Mitglied des Zentralkomitees der KP Italiens Eduardo d‘Onofrio.
Die Kommission änderte auch die Herangehensweise an die Internationalen Brigaden.
Gab es zuvor Verantwortliche für die einzelnen Brigaden, so wurde jetzt die Verantwortlichkeit entsprechend der Sprachengruppen aufgeteilt. Für die deutsche Sprachengruppe war Gustav Szinda zuständig, der zunächst Brigade- und Bataillonskommandeur und Stabschef gewesen war, nach seiner Verwundung aber dem Sicherheitsdienst der Internationalen Brigaden angehörte.

Rolle der Medien
Eine weitaus größere Bedeutung als zuvor wurde den Materialien der KP Spaniens beigemessen und seitens der Kommission darauf gedrängt, dass z. B. die Reden der Politbüromitglieder der KP Spaniens wie José Diaz, Dolores Ibárruri, Pedro Checa, Jesús Hernández und anderer übersetzt und in den Parteiaktiven der Brigaden diskutiert wurden.
Zuständig für die Propaganda war der Italiener Roman Lenti, in dessen Bereich auch die Rundfunkarbeit lag, für die der Deutsche Felix Albin (Kurt Hager) verantwortlich war. Da der Spanische Krieg auch ein Krieg der Medien, ein Krieg der Bilder und Worte war, wurde nicht nur von der KP Spaniens, sondern auch von der republikanischen Regierung dem Rundfunk eine große Bedeutung beigemessen. Die Darstellung und Verteidigung der Volksfrontpolitik war nicht nur hinsichtlich des Auslands wichtig, sondern auch für die innere Situation des republikanischen Spaniens, weil z. B. nicht alle linken und antifaschistischen Kräfte unbedingte Anhänger der Volksfront waren.

Konflikte
Vom Umfang ihrer Tätigkeit her gesehen leistete die Militärpolitische Kommission schier Unglaubliches. Allerdings war es vermutlich ein Fehler der KP Spaniens, den „Catalanismo“, die katalanische Autonomiebestrebung, zu missachten und zu versuchen, auch auf Parteienebene die Dominanz des Zentralstaatsgedankens gegenüber dem PSUC durchzusetzen. Da die meisten Freiwilligen über die Pyrenäen nach Spanien kamen, spielte natürlich die Ausländerkommission des PSUC, vor allem deren Servicio Especial, der mit der Überprüfung der Ausländer betraut war, eine große Rolle. Nach und nach konzentrierten sich diese Aufgaben aber auch bei der Kommission der KP Spaniens und es kam zu Konflikten zwischen dieser Partei und dem PSUC.
In Moskau schließlich war dann nur noch die wieder so bezeichnete Kommission für ausländische Kader aktiv. Gustav Szinda, Eduardo d‘Onofrio, der Tscheche „Jarin“ (das war Jaroslaw Hošek) und wenige andere, deren Identität noch nicht geklärt ist, schrieben tausende von Charakteristika.
Da es der Beweis für politische und militärische Zuverlässigkeit war und weil man wusste, dass bewährte Kader für zukünftige Klassenauseinandersetzungen gebraucht werden würden, ist peinlich genau vermerkt, wer in die KP Spaniens überführt worden war und wer nicht. In den Archiven in Moskau und Berlin kann man so z. B. auch die Charakteristik von Max Schäfer lesen, den ältere Genossen noch als Funktionär der KPD und der DKP und Chefredakteur der „Marxistischen Blätter“ kennen werden. Über ihn wurde in Moskau folgendes geschrieben: „SCHÄFER, MAX. Kam im Januar 1937 nach Spanien zur 13. Brigade, 8. Bataillon. Wurde in den Kämpfen an der Südfront schwer verwundet, war ein sehr tapferer Soldat, politisch ein qualifizierter Jugendgenosse und wurde zum Leutnant befördert. Nach seiner Ausheilung kam er zur 11. Brigade und im Mai 1938 wurde er Parteisekretär des Bataillons. Als solcher war er ein sehr zuverlässiger und aktiver Genosse, der viel dazu beitrug, das politische Niveau des Bataillons zu heben. Arbeitete im engsten Kontakt mit dem Kriegskommissariat und der militärischen Leitung des Bataillons. War ein sehr qualifizierter Genosse, in allen seinen Arbeiten zuverlässig und parteitreu. Wurde 1937/38 in die KP Spaniens überführt.“ 26.2.40, Gustav.“
An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass das 1976 von Max Schäfer herausgegebene und eingeleitete Buch „Spanien 1936 bis 1939. Erinnerungen von Interbrigadisten aus der BRD“ in einer von Valentin Hemberger kommentierten Neuauflage vom Neue Impulse Verlag 2016 wieder aufgelegt wurde.


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Leserbrief zu »Zwei Pflichten«, UZ vom 9. Dezember 2016





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